Der Holocaustgedenktag ist ein bundesweiter verankerter Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland. Bereits seit 1988 erinnert der Arbeitskreis Judentum jährlich namentlich an die über 200 jüdischen Holocaustopfer Grevenbroich. Es ist nicht immer einfach, eine angemessene Form des Gedenkens zu finden, die auch Jugendliche und junge Erwachsene anspricht. Wie auch bei den Stolpersteinen, die in Grevenbroich im Dezember 2022 nunmehr zum neunten Mal durch Gunter Demnig verlegt werden, ist es eine wichtige Aufgabe, das Erinnern vor allem in den Alltag hinein zu holen. Vor allem gilt es, die nächste Generation für Erinnerungsarbeit zu gewinnen. Denn die Überlebenden und Zeitzeugen des Holocaust sind mittlerweile oftmals verstorben. Heute steht der Kontakt zur zweiten, ja dritten Generation im Vordergrund. Und diese verfolgt sehr aufmerksam, wie Deutschland mit seiner Vergangenheit umgeht. 

Auch in der Erinnerungsarbeit gewinnen die sozialen Medien wie Internet, aber auch Facebook, Instagram, Twitter & Co zunehmend an Bedeutung. Deshalb gibt es eine Kampagne in den Sozialen Medien, die vom World Jewish Congress (WJC) vor fünf Jahren gestartet wurde. Der WJC ist eine Dachorganisation, die weltweit jüdische Gemeinden in über 100 Ländern vertritt. Erstmalig wurde 2017 vom WJC weltweit dazu aufgerufen, unter dem Hashtag #WeRemember ein Photo bzw. Selbstporträt – ein „Selfie“ – von sich zu posten. Die Kampagne entwickelte im letzten Jahr eine sehr große Eigendynamik, so dass binnen weniger Wochen über 250 Millionen Menschen weltweit erreicht werden konnten. Auch zum 77. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hat der WJC wieder einen Aufruf zum Holocaustgedenktag 2022 gestartet. Es geht eben auch darum, dass sich hinter jedem Ermordeten ein Name, ein Gesicht, eine Persönlichkeit verbarg. In unserer Stadt waren es eben über 200 Grevenbroicher Gesichter – Nachbarn aus Gustorf-Gindorf, Frimmersdorf-Neurath, Wevelinghoven, Grevenbroich, Hülchrath, Kapellen und Hemmerden. Die Kampagnenbilder werden auch in diesem Jahr zum Gedenktag in der Gedenkstätte des KZ Auschwitz öffentlich gezeigt und zeitgleich im Internet gestreamt.

Die heutige und erst recht die nachfolgende Generation trägt keine Schuld am Holocaust, aber die Verantwortung, sich zu allen Höhen und Tiefen deutscher Geschichte zu bekennen. Und es gilt, auch diejenigen anzusprechen, die bisher nur sehr wenig von der Verfolgung und Ermordung im Holocaust, die ihren Anfang auch hier vor Ort begann, kennen. In Zeiten, in denen Antisemitismus, Diskriminierung und plumper Geschichtsrevisionismus – leider auch und besonders in Pandemiezeiten – wieder wachsen, ist es wichtig, einerseits Gesicht zu zeigen und deutscher Geschichte in allen Facetten zu erinnern. Weitere Infos auch unter: https://aboutholocaust.org/

Die Kampagne kann nur ein erster Schritt sein, die Resonanz und die Bereitschaft vieler Jugendlichen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, sind sehr ermutigend. Dies beweist das Engagement vieler Menschen weltweit und bei uns insbesondere der Schülerinnen und Schüler zum Holocaustgedenktag in Grevenbroich.

Um 14:30 Uhr findet anlässlich des  Holocaustgedenktags eine Zusammenkunft statt. Es gelten die aktuellen Bestimmungen der CORONA-Schutzverordnung (3G, Maskenpflicht).

Ablauf:

  • Begrüßung: Ulrich Herlitz – Geschichtsverein Grevenbroich 
  • Holocaustgedenktag: Sebastian Potschka (3-5 min) 

Verlesen der Namen aus Wevelinghoven und Hülchrath: DURS 

  • Vorstellung Projekttag „Fritz Stern“: Till Krewer/Peter Cwik (3-5 min) 

Verlesen der Namen aus Grevenbroich: EG 

  • Vorstellung Wanderausstellung Poesiealben Hemmerden: Thomas Jentjens/Ulrich Herlitz (3-5 min) 

Vortrag Gedicht: „Oh Vaterhaus“ (KKG) 

Verlesung Tagebuchauszug Irene Dahl Deportation Riga: Birgit Burdag/Hanni Paschek-Dahl (3-5 min) 

Verlesen der Namen aus Hemmerden und Kapellen: KKG 

  • Verlesen der Namen aus Gustorf-Gindorf und Frimmersdorf: WvHG 
  • Vorstellung Schülerwettbewerb Gestaltung Synagogenplatz: Ulrich Herlitz 
  • Fotos Aktion „WeRemember“ 

 Beteiligte: 

„KKG gegen das Vergessen“ – Käthe Kollwitz Gesamtschule (KKG) | Diedrich-Uhlhorn-Realschule (DURS) | Erasmus-Gymnasium (EG) | Wilhelm-von-Humboldt-Gesamtschule (WvHG)