Vom Badischen ins Rheinische: Ein Flaneur der Farbe – zu den Arbeiten von Klaus Walter

Vom Badischen ins Rheinische: Ein Flaneur der Farbe – zu den Arbeiten von Klaus Walter

Derzeit wird im Alten Rathaus Grevenbroich die Ausstellung “Vom Badischen ins Rheinische: Ein Flaneur der Farbe – zu den Arbeiten von Klaus Walter” gezeigt, organisiert durch den Kapellener Künstler Jürgen Meister. Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Verwaltung besichtigt werden.

Klaus Walter pflegt noch die Tradition des regelmäßigen Zeichnens in der Natur. Wobei Natur für ihn hauptsächlich bedeutet: Menschen, Menschen in einer urbanen Umgebung, Straßenszenen, Alltägliches wird bei ihm zu Kunst. Schnell und mit sicherem Auge schreibt er fast kalligrafisch seine Beobachtungen nieder. Nicht wertend, sondern neugierig interessiert, wohlwollend schaut er dem Leben zu und dokumentiert Menschen in ihrem Sosein. Mit dem spontanen, nicht wertenden Augenblick, dem momentanen Befinden der von Klaus Walter beobachteten Menschen und Situationen verinnerlicht er die Summe von Begegnungen unterschiedlicher Qualität und Intensität. Die daraus resultierenden Erkenntnisse und Erinnerungen festigen seine Fähigkeit zu schnellen Abstraktion. Seine Motive sind Landschaften, Stillleben, Tierportraits und sogar maltechnische, informelle Experimente. Er kann etwas, er beherrscht die Kunst des analytischen Sehens, die suchende Linie trifft die Form, umgrenzt sie, hält fest, was ihm vor Augen kommt. Sein Können wird unterstützt von fleißigem Schaffensdrang, das hat er mit seinem spontanen, skizzenhaften Zeichnen hinlänglich bewiesen.
Und trotzdem ist er als selbstkritischer Mensch nie so richtig zufrieden mit sich. Der Zweifel über das Elaborat aus Stift und Papier will ihn nie so richtig zufrieden stellen. Die Zweifler bringen die Menschheit weiter. Wer nie über sich und sein Tun grübelt, wird nie einen anderen, neuen, risikoreicheren Weg einschlagen und vielleicht nie zu neuen Einsichten gelangen. Klaus Walter münzt seinen Zweifel um in experimentelle Aktivität. Er probiert neue Materialien, neue Techniken und neue Sichtweisen aus. Die Kunstgeschichte ist wie ein Steinbruch für ihn, alte Wissensgemäuer werden eingerissen, die Brocken gesäubert und zu neuen Bildern geformt. Alles war schon mal da, na und, da macht er erst einmal nur für sich etwas Persönliches, Unwiederholbares, Unikates, Eigensinniges daraus. Und lässt andere Menschen daran teilhaben.

Seine regelmäßigen Besuche der letzten Jahre im Institut FREIEkunstAKADEMIE des Kapellener Künstlers Jürgen Meister haben sein Interesse an Motiven aus Grevenbroich geweckt. Im Rathaus hängt jetzt bis September noch eines seiner letzten Bilder, das den Blick über den Marktplatz zum „Alten Rathaus“ zeigt. Eine Gruppe von Flaneuren entspannt sich auf dem Platz und ist ins Gespräch vertieft. Der Betrachter des Bildes schreitet mit ihnen voran, einem imaginären Ziel entgegen oder sitzt mit am Kaffeetisch und genießt die entspannte Atmosphäre eines Straßencafés.