Die Corona-Krise wird die Digitalisierung und damit auch den Strukturwandel im rheinischen Braunkohle-Revier beschleunigen. Diese Auffassung vertrat Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bei der Begrüßung der Teilnehmer der vierten Wirtschaftskonferenz des Rhein-Kreises Neuss zu diesem Thema. Die Referenten kamen im Kreissitzungssaal in Grevenbroich zusammen. Von dort wurde die Veranstaltung auf die Facebook- und YouTube-Seiten des Kreises übertragen.

Petrauschke nannte den jüngsten Beschluss des Aufsichtsrats der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, dem er angehört, „ein besonders starkes Signal für die gesamte Region“. So wurden der Landesregierung 83 Zukunftsprojekte vorgeschlagen, die zur Beschleunigung des Strukturwandels vorrangig gefördert werden sollen.

Im Rhein-Kreis Neuss sind zwölf dieser Vorhaben verortet. Sie umfassen etwa wegweisende Ansätze zur Energieversorgung, darunter den Einstieg in die Wasserstoff-Wirtschaft und den Produktionsaufbau für solarthermische Schlüsselkomponenten auf Aluminium-Basis. „Dass der Kreis bei den Zukunftsprojekten stark vertreten ist, zeigt, dass sich die gute Vorarbeit und der enge Austausch mit Wirtschaft, Wissenschaft und den Kommunen gelohnt haben“, betonte Petrauschke.

In der Konferenz wurde diskutiert, wie der aktuelle Stand der Umsetzung der Empfehlungen der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung ist und welche Vorhaben vorangebracht werden können. Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, sprach über „Chancen für Wirtschaft und Forschung im Rheinischen Revier durch das Strukturstärkungsgesetz“. Er war auf Vermittlung des Neusser Bundestagsabgeordneten Hermann Gröhe gekommen.

Dem Referat schloss sich eine Podiumsdiskussion über die Chancen durch den Strukturwandel im Rhein-Kreis Neuss an. „Es gilt, das Geld für den Strukturwandel so zu nutzen, dass aus den Anforderungen, die der Klimaschutz an uns stellt, neue Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze entstehen“, sagte Kreisdirektor Dirk Brügge. David Zülow, Landesvorsitzender des Verbands „Die Familienunternehmer“, blickte auf den Ausstieg aus der Braunkohle bis 2038: „Wir haben jetzt 18 Jahre Zeit, um unsere Hausaufgaben zu machen und unsere Region mit neuen Energieträgern weiterzuentwickeln.“

„Strukturwandel macht man nicht aus der Hochschule heraus. Wir können unseren Beitrag liefern, aber wenn, muss das mit den Unternehmen gemeinsam passieren“, so Dr.-Ing. Patrick Mattfeld von der RWTH Aachen. Professor Dr. Alexander Prange, Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Hochschule Niederrhein, betrachtete das im Revier geplant Innovationszentrum für die Lebensmittelwirtschaft: „Wir wollen nicht nur Entwicklungsforschung zu den Unternehmen transferieren, sondern einen wechselseitigen Prozess starten – mit dem Rhein-Kreis Neuss als starkem Partner und der Einbindung der entscheidenden Betriebe.“

Bei der Konferenz im Livestream konnten die Zuschauer ihre Fragen über die Kommentar-Funktionen von Facebook und YouTube in die Diskussion einbringen. Die Gelegenheit wurde stark genutzt. „Das erstmals umgesetzte Online-Format hat sich gut bewährt“, so Landrat Petrauschke nach der Veranstaltung. Dauerhaft wurden etwa 150 Zuschauer auf beiden Kanälen verzeichnet. Insgesamt haben rund 3000 Nutzer das Video während des Live-Events eingeschaltet. In den 24 Stunden danach waren es noch einmal weitere 1200. Das Video kann abgerufen werden unter https://www.facebook.com/rheinkreisneuss oder https://www.youtube.com/rheinkreisneuss.