Auch in Zukunft kann das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Rhein-Kreises Neuss in seinem Labor Proben von Haus- und Wildtieren auf Trichinen untersuchen: Es hat die „Laborvergleichsuntersuchung zum Nachweis von Trichinella-Larven in Schweinefleisch mittels Digestionsmethode 2021“ erfolgreich bestanden. Dies hat jetzt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin bestätigt.

„Das sind gute Nachrichten für alle Metzger und Jäger im Rhein-Kreis Neuss“, freut sich Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zusammen mit Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky und der Tierärztin Milena Drobik. „Damit ist sichergestellt, dass die Proben aus den schlachtenden Metzgereien im Kreis und die Wildschweinproben unserer Jäger schnell und sicher untersucht werden“, betont Petrauschke, und Mankowsky erläutert: „So können wir die Arbeitsabläufe für alle Beteiligten vereinfachen. Wenn das Labor des Rhein-Kreises Neuss die Berechtigung verlieren würde, müssten die Proben zum Veterinäruntersuchungsamt nach Krefeld gebracht werden.“ Dies wäre mit einem enormen Zeitverlust verbunden, und das Veterinäramt könnte nicht mehr so flexibel wie bisher auf den Probenanfall reagieren.

Zum Hintergrund: Trichinen können beim Menschen durch den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem, infizierten Fleisch schwere Erkrankungen verursachen. Daher muss jedes geschlachtete Schwein und Pferd und jedes erlegte Wildschwein in Deutschland einer Untersuchung auf Trichinen unterzogen werden, bevor das Fleisch verwertet werden kann. Um die Erlaubnis zur Untersuchung nicht zu verlieren, müssen die dazu ermächtigten Labore sich jedes Jahr einem Audit unterziehen, aufwändige Arbeitsstandards einhalten und jährlich an einem Ringversuch teilnehmen.

Die amtliche Tierärztin Milena Drobik, die im Veterinäramt bei der Trichinenuntersuchung von den amtlichen Fachassistenten Thomas Tillenburg und Simon Fußangel unterstützt wird, berichtet: „Die Trichinellose des Menschen ist eine seltene, aber schwere Erkrankung. Nur durch eine Erhitzung auf mindestens 70 Grad Celsius über eine Minute werden die Trichinenlarven sicher abgetötet.“ Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat zwischen 2001 bis 2018 insgesamt 134 Trichinellosefälle in Deutschland erfasst. Der letzte bekannte Fall stammt aus dem Jahr 2013 in Sachsen. Dort erkrankten über 30 Personen nach dem Verzehr von Rohwürsten, die aus infiziertem Wildschweinfleisch hergestellt worden waren.

Im Jahr 2020 waren 26 erlegte Wildschweine in Deutschland mit Trichinen infiziert; im Jahr davor waren es 33. Auch in diesem Jahr wurden bereits mehrere Wildschweine in Brandenburg positiv auf Trichinen untersucht. Der letzte Nachweis bei einem Hausschwein erfolgte im Jahr 2018 bei einem Schwein aus Freilandhaltung in Brandenburg. Im Rhein-Kreis Neuss konnten im Jahr 2003 bei einem Hausschwein aus Freilandhaltung ebenfalls Trichinen nachgewiesen werden. Diese Zahlen belegen, dass eine gewissenhafte Trichinenuntersuchung wichtig ist.

In den neun schweineschlachtenden Metzgereien im Rhein-Kreis Neuss wurden 2020 insgesamt 4 570 Schweine geschlachtet. Im Jahr 2021 haben zwei der neun Metzgereien die Schlachtung von Schweinen aufgegeben. 2020 wurden 409 erlegte Wildschweine im kreiseigenen Labor auf Trichinen untersucht; in diesem Jahr waren es bisher 288 Wildschweine.