Für ihre vorbildliche Berichterstattung über ehrenamtliches Engagement wurden gestern neun Journalisten bei einem Festakt im barocken Wasserschloss Dyck mit dem Journalistenpreis „Pro Ehrenamt – Hermann Wilhelm Thywissen-Preis“ des Rhein-Kreises Neuss ausgezeichnet. Der Preis wurde in den Kategorien Print, Fernsehen, Hörfunk, Lokaljournalismus, Nachwuchs und erstmals auch Digitales vergeben und ist mit jeweils 4 000 Euro dotiert.

Rund 150 Bewerbungen sind von Redaktionen, Sendern und Journalisten aus dem gesamten Bundesgebiet eingereicht worden. Der Rhein-Kreis Neuss hatte den renommierten Preis, der an die Verdienste des ehemaligen Neusser Oberbürgermeisters und Ehrenbürgers Hermann Wilhelm Thywissen erinnert, zum zehnten Mal bundesweit ausgeschrieben.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke betonte in seiner Ansprache, dass unsere Gesellschaft von Menschen lebt, die mehr tun als ihre Pflicht: „Es ist deshalb wichtig, dem Ehrenamt auch die öffentliche Anerkennung zu verschaffen, die es verdient.“ Er freute sich über die Vielzahl der qualitativ hochwertigen Einreichungen, die das Ehrenamt zu ihrem Thema gemacht haben und es für ein breites Publikum in den Blickpunkt rücken.

„Krisen und Konflikte sorgen für mehr Schlagzeilen. Das stille Wirken im Hintergrund hat dagegen kaum Nachrichtenwert, könnte man meinen. Dass auch dies ein Vorurteil ist, beweist der Journalistenpreis immer wieder“, so der Landrat. Die Ehrenamtlichen engagieren sich für die gute Sache, und die Journalisten engagieren sich für die gute Geschichte, erläuterte Petrauschke. Beides zusammen habe der Rhein-Kreis Neuss bei der Ausschreibung des Journalistenpreises „Pro Ehrenamt – Hermann-Wilhelm-Thywissen-Preis“ in den Blick genommen.

Ehrengast Reiner Calmund warb in seiner Festrede zum Thema „Ehre wem Ehre gebührt – Dem Ehrenamt auf jeden Fall“ leidenschaftlich für das Ehrenamt: „Deutschland ist mit alleine 1,7 Millionen ehrenamtlich Tätigen alleine im Jugendbereich des Amateurfußballs eigentlich Vorbild. Sie bilden die Basis und sorgen dafür, dass der Laden läuft. Ohne ihr Engagement könnte sich auch niemand zum Profi-Fußballer entwickeln.“

Die Bedeutung des Ehrenamtes unterstrich auch der Jury-Vorsitzende Wolfram Kons in seinem Grußwort: „Ehrenamt ist wichtiger denn je. Und eine breite und seriöse Berichterstattung darüber kann die Egoismen der Gesellschaft eindämmen und die Hilfsbereitschaft steigern.“

Als bester Beitrag in der Kategorie Print wurde Jonas Breng für seinen Beitrag „Dr. Gammel holt ein Kind“ im STERN ausgezeichnet. „Jonas Breng gelingt es, sich dem Menschen Andreas Gammel

und seiner Unordnung in einer fast schon intimen Weise zu nähern. Und Andreas Gammel lässt es geschehen. In diesem Text gelingt Breng ein wirkliches journalistisches Kunstwerk. Er schafft Nähe, ohne Distanzlosigkeit, er psychologisiert und interpretiert – ohne jede Form des Voyeurismus“, erläuterte Moritz Müller-Wirth in seiner Laudatio die Entscheidung der Jury.

Für ihre Reportage „Die Dampflokretter“ im Hessischen Rundfunk wurde Sabrina Fillisch in der Kategorie Fernsehen geehrt. Die Auszeichnung begründete Dr. Helmut Reitze: „Eine unglaublich packende Reportage mit tollen Bildern über ein paar Männer und eine Frau, die sich mit Hingabe, mit unfassbarem Zeit- und Kraftaufwand ehrenamtlich einer Sache widmen. Sabrina Fillisch hat die Dampflokretter ein Jahr lang begleitet. Sie und ihre sechs Kameramänner haben eindrucksvolle Szenen eingefangen, die die harten und die schönen Seiten ehrenamtlichen Engagements zeigen.“

In der Kategorie Hörfunk erhielt Nele Dehnenkamp für ihren bei SWR 2 gesendeten Beitrag „Beistand ohne Grenzen: Unterwegs mit muslimischen Notfallseelsorgern in Ludwigsburg“ den Journalistenpreis. Udo Kreuer stellte die besondere Leistung bei der Erzählung der Geschichte heraus: „Nele Dehnenkamp nimmt uns mit auf einer Reise. Das Ehrenamt schlechthin steht hier im Mittelpunkt und Menschen die viel, manchmal alles geben, um anderen zu helfen.“

Die im Weser-Kurier erschiene Serie „Wir in Bremen“ von Ulrike Troue und Frauke Fischer wurde in der Kategorie Lokaljournalismus ausgezeichnet. Die Jury zeigte sich dabei insbesondere von der Nachhaltigkeit der Berichterstattung beeindruckt, wie Horst Thoren darlegte: „Den Zupackenden Ehrenamtlern hat der Weser Kurier eine Bühne gegeben. Die Redaktion stellt seit 2015 regelmäßig vor, wer sich engagiert, wo Hilfsbedürftige Unterstützung bekommen, wie vielfältig das Engagement der Bremer Nothelfer ist. Der redaktionelle Aufschlag ist umfänglich. Jeweils eine Seite, immer ein eindrucksvolles Foto, regelmäßig Tipps und Termine, stets die Einladung, sich und das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Ich muss zugeben: Mich hat die Fülle an Hilfsangeboten beeindruckt.“

In der neuen Kategorie Digitales wurde der Journalistenpreis an zwei Beiträge vergeben. Christoph Piening und Svaantje Schröder mit ihrem in der ZDF-Mediathek veröffentlichten Film „Aschenberg“ und Theresa Steudel mit dem im Deutschlandfunk Nova gesendeten Podcast „Till: Vom Abenteurer zum Aktivisten“ teilen sich die Auszeichnung. „Ganze zehn Monate lang machen sich die Autoren immer wieder auf den Weg auf den Aschenberg – beobachten, fragen, versuchen zu verstehen. Denn dieses Video kommt ganz ohne Sprechertext aus – es reden ausschließlich die Menschen vom Aschenberg. Eins wird aber ganz klar deutlich. Ohne ein vielfältiges Ehrenamt wäre dieser Stadtteil ein anderer“, begründet Christopher Hanisch die Jury-Entscheidung für Piening und Schröder. Auch Steudel schaffe es nach dem Urteil der Jury mit ihrem Podcast ein besonderes Licht auf ehrenamtliches Engagement zu lenken: „Ehrenamt ist genau da notwendig wo andere sich wegducken. Theresa Steudel schafft, genau das ganz gefühlvoll am Beispiel von Till zu erzählen. Nicht politisch, nicht aktivistisch, ganz ohne Experten. Sondern einfach ganz nah an der Person Till. Ihre Worte erzeugen Bilder im Kopf, setzt Pausen ganz bewusst, um diese Bilder wirken zu lassen“, so Hanisch.

Der Nachwuchsförderpreis wurde an Friederike Oertel für ihren in DIE ZEIT veröffentlichten Beitrag „Es ist meine Aufgabe, das auszuhalten“ vergeben. „Wer solche vermeintlich kleinen, aber in der Gesellschaft und erst recht in Pandemiezeiten höchst wichtigen Tätigkeiten, die leise, die still und ohne viel Getöse tagtäglich geleistet werden, in seinen jungen journalistischen Fokus rückt  – sensibel und einfühlsam, der verdient unseren Nachwuchspreis“, begründete die stellvertretende Jury-Vorsitzende Bruni Reitzenstein die Auszeichnung.

Ferdinand Wilhelm Thywissen unterstrich in seinem Schlusswort die Bedeutung des Journalistenpreises: „Zu sehen, was Ehrenamt ist, wo es wirkt und vertreten ist, ist immer wieder hervorragend“. Seine Familie sei daher gerne bereit, sich auch künftig einzubringen. 

Eine Fachjury unter dem Vorsitz des Neusser TV-Journalisten Wolfram Kons, Gesamtleiter RTL Charity, entschied über die Vergabe der Preise. Zu ihr gehören die stellvertretende Vorsitzende Bruni Reitzenstein (TV-Journalistin, Autorin Regisseurin, ehem. ZDF), Christopher Hanisch (entwickelt und koordiniert neue digitale Produkte in der Chefredaktion Landesprogramme des WDR), Udo Kreuer (Chefredakteur und stellvertretender Programmdirektor von radio NRW), Moritz Müller-Wirth (stellvertretender Chefredakteur DIE ZEIT), Helmut Reitze (ehemaliger Intendant des Hessischen Rundfunks und Moderator des ZDF-heute journals), Horst Thoren (stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post) sowie Benjamin Josephs, Leiter des Amtes für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Rhein-Kreises Neuss.

Weitere Informationen zu dem Journalistenpreis „Pro Ehrenamt – Hermann Wilhelm Thywissen-Preis“ unter www.rhein-kreis-neuss.de/proehrenamt.