Derzeit beschäftigen sich die Kreisverwaltung und die Kreistagsfraktionen mit den aktuellen Ergebnissen einer neuen Pflegebedarfsanalyse, die vom ALP-Institut aus Hamburg erarbeitet worden ist. „Der Bedarf nach Pflegeleistungen wird in den nächsten Jahren in allen Sektoren steigen, und das auch im stationären Bereich“, bilanziert Kreisdirektor und Sozialdezernent Dirk Brügge. Damit werde sich „die Gelegenheit ergeben, die Schieflage aus der Vergangenheit zu korrigieren und zu einer besseren Verteilung der Pflegeplätze im Kreisgebiet zu kommen“.

Mit diesem Ziel hat der Rhein-Kreis Neuss etwa konstruktive Gespräche mit der Diakonie geführt, um ein geplantes Neubauprojekt in Norf weiter voran zu bringen. Denn unter der Prämisse, dass der Kreistag künftig für das Stadtgebiet von Neuss einen geringen zusätzlichen Bedarf an Pflegeplätzen bestätigt, können die bereits vorhandenen Pläne mit den von allen Beteiligten gewünschten 80 Plätzen umgesetzt werden. „In den Gesprächen zwischen der Diakonie und der Heimaufsicht des Kreises ist darüber hinaus die Idee entstanden, das Neubauprojekt in Norf mit dem notwendigen Umbau des Fliedner-Hauses in Gnadental zu kombinieren“, so Brügge. Auf diese Weise könne zeitlich gestaffelt auch in Gnadental ein Gebäude mit neuesten baulichen und technischen Standards entstehen. Ob und gegebenenfalls welche weiteren Maßnahmen in den einzelnen Kommunen notwendig sein werden, um ein bedarfsgerechtes Angebot an Pflegeeinrichtungen zu schaffen, wird im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistags im Mai diskutiert. Pläne für neue Pflegeeinrichtungen wurden seitens der Kreisverwaltung in den vergangenen Jahren sehr kritisch bewertet. Der Grund: Fehlplanungen in einigen Kommunen führten zu Überkapazitäten und damit zu strukturellen Leerständen in den Heimen. Während im südlichen Kreisgebiet viele Plätze nicht belegt werden konnten, gab es Stimmen aus Kaarst und aus Neuss, wonach eine wohnortnahe Unterbringung pflegebedürftiger Menschen schwierig war. Der Kreistag hat dieser Gesamtlage Rechnung getragen und bei den Beschlüssen zur Pflegebedarfsplanung, die seit Ende 2014 jährlich verabschiedet werden muss, die Verwaltung damit beauftragt, eine ausgewogene Platzverteilung in allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden im Auge zu behalten.