Das „Mittelstandsbarometer Rhein-Kreis Neuss“ misst von Ende Juni bis Anfang August zum 13. Mal den Puls der mittelständischen Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss. Seit 2008 startet jedes Jahr im Sommer eine (Callcenter-gestützte) Telefon-Umfrage, an der 500, nach Repräsentativitäts-Gesichtspunkten und per Zufallsstichprobe, ausgewählte Unternehmen aus allen acht Kommunen im Rhein-Kreis Neuss teilnehmen.

So wird unter anderem erfragt, wie die Unternehmen ihre derzeitige Geschäftssituation und die Aussichten für die nächsten Monate beurteilen. Sämtliche Ergebnisse werden sowohl für das gesamte Kreisgebiet als auch auf die einzelnen acht Kommunen bezogen ausgewertet und veröffentlicht. Das Mittelstandsbarometer ist seit 2008 die kreisweit einzige Unternehmensbefragung, in der die Umfrageergebnisse überprüfbar repräsentativ sind und auf alle acht Kommunen im Rhein-Kreis Neuss heruntergebrochen werden. Im Sommer 2019 verpasste das regionale Geschäftsklima mit 135 Punkten nur knapp die Allzeithochs der Jahre 2017 und 2018 und übertraf dabei wiederholt deutlich den Bundeswert. Bei der Gesamt-Betrachtung der letzten 12 Jahre lag der Geschäftsklima-Wert für den Rhein-Kreis Neuss immerhin neunmal über dem des deutschen Mittelstands. Nur dreimal – in den Jahren 2011 bis 2013 – war die Stimmungslage bei den hiesigen Unternehmen schlechter als in Deutschland insgesamt.

Für die aktuelle Umfrage 2020 blicken der Rhein-Kreis Neuss, die Sparkasse Neuss und Creditreform als Initiatoren des Mittelstandsbarometers weniger optimistisch nach vorne als in den letzten Jahren. Angesichts der weltweiten Entwicklungen und des sich weiter aufbauenden Drucks gab es schon 2019 einigen Anlass zur Sorge. Die durch das Corona Virus hervorgerufenen starken Einschränkungen des Wirtschaftslebens, welche die im Kreis stark exportorientierte Wirtschaft relativ stark betroffen hat und ja auch noch betrifft, wird mit Sicherheit ihre Spuren hinterlassen, so ihre gemeinsame aktuelle Einschätzung. Kreisdirektor Dirk Brügge bewertet die aktuelle Lage: „Wir wissen die Stabilität der regionalen Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss zu schätzen und haben gerade in schwierigen Jahren, wie etwa in den Zeiten der Finanzkrise und Eurokrise, gesehen, wie resistent der gesunde Mix an Branchen in unserer Region die starken Einflüsse von außen kompensieren kann und die regionale Wirtschaft trotz aller Widrigkeiten zurück auf Hochtouren gelaufen ist. Dennoch müssen wir 2020 infolge des Corona-bedingten Shutdown mit im Verhältnis zu den letzten Jahren erheblich stärkeren Auswirkungen auf die derzeitige und die zukünftig zu erwartende Geschäftslage der Unternehmen im Kreisgebiet rechnen. Umso wichtiger sind alle unsere Anstrengungen und Unterstützungsangebote, um einerseits Schaden bei den Unternehmen im Kreis zu mindern und andererseits den Re-Start der Wirtschaft nach Corona zu unterstützen.“

Chris Proios von der Creditreform-Initiative „Konjunkturforschung Regional“ hebt die kommunale Auswertungsschärfe der Studie hervor: „Wir werden im Spätsommer 2020 sehen, wie unterschiedlich stark die Unternehmen in den jeweils einzelnen acht Kommunen im Kreis von den aktuellen Marktbeschränkungen und -turbulenzen betroffen sind. Wie in den letzten 12 Jahren werden wir auch 2020 insgesamt 500 Firmen interviewen lassen, die sich über alle acht Kommunen repräsentativ verteilen. Zugleich achten wir besonders darauf, dass wir die Unternehmen in den einzelnen Kommunen bezogen auf die Branchen und Unternehmensgrößen repräsentieren. Dabei haben wir mit den Unternehmen ‚Synergie 2‘ und ‚Innofact‘ jeweils unabhängige Institute sowohl mit der Erhebung und als auch der Auswertung der Daten beauftragt.

Zusätzlich zu den Fragen zum Geschäftsklima wird jedes Jahr ein Spezialthema abgefragt. In diesem Jahr beschäftigt sich das regionale »Mittelstandsbarometer« mit der Sicht des hiesigen Mittelstands auf die derzeit alles überlagernde Corona-Thematik und ihre Relevanz für die Unternehmen unserer Region. Ein wesentlicher Teil des Fragekomplexes wird dabei zukunftsgerichtet darauf abzielen, welche neuen Erfahrungen und Erkenntnisse die Unternehmen aus dieser Zeit für sich entnommen haben und ob sich daraus kurz- bis mittelfristige Veränderungen ergeben werden. Auch wird hinterfragt, wie Unterstützungsmaßnahmen und das Beratungsangebote der Corona Zeit gewirkt haben.

Stephan Meiser, Chef der Unternehmenskommunikation der Sparkasse Neuss, begleitet die Studie als Kooperationspartner seit 2008. Er freut sich auf die aktuelle Umfrage: “Gerade unter wirtschaftlich besonders herausfordernden Rahmenbedingungen wie der aktuellen Corona – Pandemie kann eine regionale Konjunkturforschung wertvolle Hinweise zur konkreten Bewältigung der Situation vor Ort liefern. Dabei hilft die Sparkasse Neuss nicht nur durch die Unterstützung der diesjährigen Erhebung, sondern auch durch die unbürokratische Bereitstellung von Mitteln zur individuellen Liquiditäts- und Existenzsicherung für die Betriebe im Rhein-Kreis Neuss. Und das alleine bis heute mit einem Volumen von insgesamt knapp 30 Mio. €, darunter 12 Mio. € Ratenaussetzungen für besonders betroffene Kunden.”

Das „Mittelstandsbarometer Rhein-Kreis Neuss“ wurde 2008 auf Initiative von Creditreform Neuss, dem Rhein-Kreis Neuss und der Sparkasse Neuss ins Leben gerufen. Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse werden der Öffentlichkeit am 8. September 2020 zunächst auf einer Pressekonferenz und im Anschluss auf verschiedenen Veranstaltungen im Kreisgebiet vorgestellt. Die Initiatoren bitten alle Unternehmen, die in die Zufallsstichprobe gekommen sind, um Teilnahme an der 10- bis 15-minütigen Befragung. Die Teilnehmer erhalten auf Wunsch nach der Pressekonferenz als kleines Dankeschön die komplette Studie.