Lernen aus dem Scheitern: Große Resonanz auf „FuckUp Night“

Lernen aus dem Scheitern: Große Resonanz auf „FuckUp Night“

„Aus Fehlern lernt man mehr“ lautete jetzt der Titel der zweiten „FuckUp Night“ im Rhein-Kreis Neuss. Veranstalter waren die Kreiswirtschaftsförderung und die Agentur Blanko aus Düsseldorf. Die „FuckUp Nights“ kommen aus Mexiko und entsprangen der Idee vier befreundeter Unternehmer. In gemütlicher Atmosphäre tauschten sie sich über ihre Misserfolge und gescheiterten Projekte aus.

Die Idee hat sich schnell verbreitet und wurde zu einer weltweiten Bewegung. Jetzt redeten drei mutige Sprecher vor 350 Besuchern im „Gare du Neuss“ über ihre Projekte, die gescheitert sind, und ließen Gründungswillige, Gründer, Unternehmer oder bereits Gescheiterte an ihren Erfahrungen teilhaben. Im Nachgang folgte eine Frage- und Diskussionsrunde. „Die hohe Teilnehmerzahl zeigt, dass wir mit dem neuen Veranstaltungsformat eine immer größere Zielgruppe an Existenzgründern sowie an Jung- und Bestandsunternehmern erreichen. Ihnen wollen wir zeigen, wie man aus dem Scheitern lernen kann“, so Robert Abts, Leiter der Kreiswirtschaftsförderung. Gründungsberaterin Hildegard Fuhrmann vom Startercenter NRW im Rhein-Kreis Neuss ist überzeugt: „Der große Zulauf zeigt uns, dass das Thema auf ein wachsendes Interesse stößt. Fehler zu machen oder sogar komplett zu scheitern ist keine Schande, aber immer noch ein großes Tabu-Thema in der Gesellschaft. Das wollen wir ändern.“
Am Anfang stellte Angel Martinez aus Bielefeld den „FuckUp seines Lebens“ vor. Er hat bei seinem wechselvollen unternehmerischen Agieren viel Geld verloren: eine höhere siebenstellige Summe. Nachdem er festgestellt hatte, was falsch gelaufen war, analysierte er intensiv, raffte sich zusammen und machte unter Berücksichtigung des Erlernten weiter. Den Zuschauern riet er, nach einer Niederlage wieder aufzustehen, Mut zu haben und weiter zu machen. Als zweites folgte Maik Erkelenz von der adisfaction AG aus Meerbusch. Eine mit seiner Hilfe aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung erstellte Cloud für ein Unternehmen aus der Modebranche wurde komplett gelöscht – eigentlich nicht schlimm, wenn man vorher eine Sicherungskopie gemacht hat. Doch dies wurde vergessen. Also musste alles neu produziert werden. Doch auch diese Cloud wurde versehentlich gelöscht. Gut, dass eine Mitarbeiterin in Eigenregie und ohne Auftrag ein Backup erstellt hatte. Erkelenz riet den Zuschauern, kritisch zu bleiben, aufzupassen und vor allen Dingen sich nie unterkriegen zu lassen.
Zuletzt betrat Rainer Kunst von der Kreativwirtschaft Düsseldorf die Bühne. Hinter ihm lag eine lange Kette von wirtschaftlichen Misserfolgen. Manch einer hätte wohl schon längst aufgegeben. Doch er folgte dem Rat seiner Ehefrau und startete neu durch. Sein Rat an die Anwesenden: sein Unternehmen breiter aufstellen, um aus eventuellen Schwankungen leichter herauszukommen. Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich bei argentinischen Empanadas und kühlen Getränken über die zweite „FuckUp Night“ auszutauschen. Aufgrund des großen Interesses laufen bereits die Planungen für die dritte Auflage der Veranstaltung, die voraussichtlich im November 2019 stattfinden wird.