Der Rhein-Kreis Neuss nutzt sie bereits bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie – Bund und Länder wollen sie einheitlich bei allen Gesundheitsämtern einsetzen: die Kontaktverfolgungssoftware SORMAS. Der Deutsche Landkreistag (DLT) hat in einer aktuellen Stellungnahme den systematischen Umstieg auf SORMAS jedoch als „nicht erstrebenswert“ erklärt. Darauf hat Landrat Hans-Jürgen Petrauschke jetzt mit einem Schreiben an den DLT reagiert, in dem er für den flächendeckenden Einsatz von SORMAS wirbt.

„Aus meiner Sicht sind mit dem flächendeckenden Einsatz einer einheitlichen Softwareunterstützung vielfältige Vorteile verbunden, die gerade in Krisensituationen besondere Beachtung verdienen“, erklärt Petrauschke in seinem Brief. Die Notwendigkeit von Datentransfers zwischen unterschiedlichen Systemen entfalle, wodurch Informationen ohne den Zeitverlust durch Anpassungsarbeiten oder Schnittstellenprogrammierungen sofort genutzt werden könnten.

Wie Petrauschke dazu erläutert, sei bei unterschiedlichen Systemen jede Änderung, zum Beispiel die Aufnahme eines neuen Datenfeldes, mit Anpassungen von Schnittstellen verbunden. „Dies führt dann jedes Mal zu Mehraufwand und Verzögerungen. Es würde auch kein Unternehmen in jeder seiner Niederlassungen eine andere Software einsetzen“, macht der Landrat den zusätzlichen Aufwand unterschiedlicher Softwarelösungen deutlich.

Die anhaltende Kritik an der Organisation des öffentlichen Gesundheitswesens basiert nach Petrauschkes Ausführungen gegenüber dem deutschen Landkreistag nicht zuletzt auf dem teils umständlichen und zeitaufwendigen Informationsaustausch. „Durch eine Vereinheitlichung der Systemlandschaft, mit einem für diese Aufgabenstellung bereits existierenden, gut funktionierenden und kostenlosen System, das zudem schon in vielen Gesundheitsämtern eingesetzt wird, könnten alle Beteiligten sehr viel Zeit und auch Geld sparen“, so Landrat Petrauschke.

Der Rhein-Kreis Neuss nutzt das Epidemie-Management-Systems SORMAS bereits seit Ende August 2020. Damit übernimmt er bei der Einführung eine Vorreiterrolle in NRW. Seine dabei gesammelten Erfahrungen gibt er an andere weiter, wie zuletzt an den Hochsauerlandkreis oder an Städte wie Krefeld, Düsseldorf und Herne.

Im letzten Sommer hat der Rhein-Kreis Neuss alle Mitarbeiter seines Gesundheitsamtes in dem neuen Programm geschult und rund 8.000 Altfälle in das neue System importiert. Mit SORMAS können nun auch automatisierte Lageberichte und Fallzahlen zur Verfügung gestellt werden. Das Programm bietet zum Beispiel auch einen Überblick über Infektionsketten oder lokale Häufungen von Infektionen, was bei der stetigen Risikobewertung hilft. Seit der Einführung von SORMAS hat das Gesundheitsamt des Kreises mehr als 90.000 Aufgaben digital erstellt und bearbeitet.

Die Abkürzung SORMAS steht für „Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System”: Die Software erfasst die bestätigten Corona-Fälle und dokumentiert klinische Details oder Laborbestätigungen unter Berücksichtigung des Datenschutzes. Die Anwendung wurde ursprünglich zur Überwachung der Ebola-Virus-Epidemie in West-Afrika entwickelt.