Mit Urkunden im Doppelpack besuchten Rudolf Weißert, Obermeister der Niederrheinischen Bäcker-Innung Krefeld-Viersen-Neuss, und sein Stellvertreter Erich Lehnen jetzt das Café Pesch in Grevenbroich-Kapellen an der Neusser Straße: Sie überreichten Bäckermeister Günter Pesch die Urkunde der Handwerkskammer Düsseldorf zum 50-jährigen Bestehen seines Betriebes. Und bei der Gelegenheit übergaben sie dem Jubilar auch nachträglich den Goldenen Meisterbrief – diese Ehrung hatte im vergangenen Jahr wegen Corona nicht stattfinden können. Günter Pesch (72) absolvierte 1970 erfolgreich die Meisterprüfung in Olpe, nachdem er die Meisterschule in Internatsform besucht hatte. Ein Jahr später, 1971, vertraute ein Bäcker-Ehepaar in Weckhoven ihm und seiner Frau Marita seinen Betrieb als Pächter an. Das Café Pesch war geboren, aber der Wunsch nach etwas Eigenem wuchs weiter – und wurde einige Jahre später erfüllt: Die Eheleute Pesch übernahmen 1982 von den Vorbesitzern das Café in Kapellen an der Neusser Straße. Zwei Jahre später bauten sie das Gebäude in Bungalow-Form aufwendig um und ergänzten es um ein oberes Stockwerk. Hier wurde die Backstube eingebaut. Einige Zeit danach nahmen Günter und Marita Pesch endgültig Abschied von Weckhoven. Aber viele Kontakte blieben bestehen.

Peschs Frau Marita arbeitet seit Beginn im Betrieb mit und ist im Büro unter anderem für die Buchhaltung zuständig. „Ohne sie geht es gar nicht, obwohl sie jetzt natürlich auch ein bisschen kürzertritt“, sagt Pesch. Auch Tochter Tanja gehört zum Team. „Unsere Kunden kommen aus dem gesamten Rhein-Kreis Neuss zu uns ins Backhaus und ins Café. Unsere Kuchen und Torten stellen wir als Mannschaft her.“ Auf die beliebte „Prummetaat“ mussten die Kunden in diesem Jahr etwas länger warten – durch den kalten Monat Mai verzögerte sich die Ernte. „Aber wir haben wieder eine außergewöhnliche Pflaumensorte dafür erhalten“, berichtet Pesch. In seiner freien Zeit widmet sich der Bäckermeister einem besonderen Hobby: Er schreibt Romane. Darin schildert er menschliche Schicksale mit Happy End – und spendet den größten Teil des Verkaufserlöses für die Gilverather Friedenskapelle. „Emily und die Wattenpost“ heißt die jüngst erschienene neunte Geschichte. „Die gibt es nur bei uns im Café und im Backhaus zu erwerben“, sagt Pesch. „Und von jedem verkauften Buch für neun Euro sind fünf Euro für den Erhalt der Gilverather Friedenskapelle, die hier in der Nachbarschaft steht und nicht nur mir besonders am Herzen liegt.“

Ebenso außergewöhnlich ist ein weiteres Hobby des 72-Jährigen: Günter Pesch baut Krippen, allesamt kleine Kunstwerke. Zurzeit ist die 33. Krippe in Arbeit. Sie stellt eine Szene vor dem Kölner Dom dar. „Die Krippe wird 14 Tage vor Weihnachten fertig und dann bis Februar in der Friedenskapelle aufgestellt“, sagt Pesch. 600 kleine Lichter werden die Krippe beleuchten. Die Zukunft des Café Pesch ist gesichert: „Es läuft dahin, dass mein Enkel Christian irgendwann den Backbetrieb und das Café übernimmt“, sagt Günter Pesch. Christian Lange (20) ist ebenso wie sein Großvater Bäckermeister. Er arbeitet schon im Betrieb mit.