Aufmerksam und neugierig machen will die Ausstellungsreihe „Gartenfokus“ und lädt vom 8. Mai bis 13. September 2020 zu einer Zeitreise durch die Garten- und Parklandschaft der Metropole Ruhr ein. Werke des Fotografenteams Ulrike Romeis und Josef Bieker zeigen eine Auswahl der interessantesten Gärten und Parks im Ruhrgebiet – allesamt beispielhaft für bestimmte Phasen und Stile der dortigen Garten- und Parkentwicklung. Unterstützt wird die Ausstellung durch den Regionalverband Ruhrgebiet.

Das Ruhrgebiet ist grüner als sein Ruf. Herrschaftliche Schlossgärten, Parks und Gärten von Unternehmern, Bürger- und Stadtgärten des 19. Jahrhunderts, aber auch Gartenschauen und zeitgenössische Anlagen urbaner Grünplanung: Die Gartengeschichte des Ruhrgebiets ist vielfältig; sie weist Kontinuitäten, Kompromisse und Brüche auf. Das Europäische Gartennetz der Stiftung Schloss Dyck zeigt die Vielfalt der Gärten des Ruhrgebietes und 2027 präsentiert sich das Ruhrgebiet als internationale Gartenausstellung IGA Metropole Ruhr. Genau das reizt die Fotografen Ulrike Romeis (*1956) und Josef Bieker (*1950). Von der Reisefotografie kommend, zeigt uns das Duo die grüne Vielfalt einer Region, in der parallel zur industriellen Entwicklung schon früh die Bedeutung des Grüns für die Menschen erkannt wurde.
GARTENFOKUS – Grün auf! zeigt: Gärten waren, sind und bleiben ein Grundbedürfnis des Menschen, nicht erst in Zeiten des Klimawandels.

Unterstützt durch den Regionalverband Ruhrgebiet spiegelt die diesjährige GARTENFOKUS Ausstellung die unterschiedlichen Phasen und Stile der Gartengeschichte des Ruhrgebiets.
Sie beginnt in der vorindustriellen Zeit mit Klöstern, Burgen, Schlössern und Herrensitzen in einer kleinbäuerlichen Landschaft, die von mehr oder weniger aufwendigen achsensymmetrischen Gartenanlagen im barocken Stil („Französischer Garten“) umgeben waren. Fotobeispiele aus dieser Epoche sind der wiederhergestellte Terrassengarten am Kloster Kamp in Kamp-Lintfort, der auch als „Sanssouci des Niederrheins“ betitelt wird, der Schlosspark Lembeck, der Park des Hauses Weitmar in Bochum und der Park des Hauses Opherdicke in Holzwickede/Krs. Unna. Später wurde die barocke Gestaltung aufgegeben und viele bestehende Anlagen im Sinne des „Englischen Landschaftsgartens“ überformt.

Ab Ende des 18. Jahrhunderts wurden auch im Ruhrgebiet zahlreiche Kurorte gegründet. Die Meisten entstanden um eine Solequelle, die bei der Kohleförderung entdeckt wurde. Diese Kurparkanlagen mussten sich aber, wie in anderen Kurorten auch, dem Wandel der Nutzungsgewohnheiten und veränderten Ansprüchen der Bevölkerung anpassen und dabei auch andere Funktionen übernehmen. Eine Fotografie des Kurparks am Solbad Raffelberg in Mülheim an der Ruhr, der bis heute weitgehend erhalten blieb, erzählt aus dieser Ära der Ruhrgebietsgeschichte.

Im 19. Jahrhundert wuchs der Einfluss des Großbürgertums auf Wirtschaft, Stadtentwicklung und Kultur. Die neue Elite schuf sich standesgemäße Wohnformen mit repräsentativen Gärten und Parkanlagen. Von den einst herrschaftlichen Garten- und Parkanlagen der Unternehmer sind heute nur noch wenige zu finden. Die Ausstellung zeigt als Beispiel aus dieser Zeit den Park der Villa Hügel (Hügelpark) in Essen, der im Stil eines Landschaftsgartens angelegt wurde.

Die rasante Industrialisierung dieser Epoche führte zu Umbrüchen der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse des Ruhrgebiets. In der Grünflächen- und Parkentwicklung wurde die ästhetische, hygienische und soziale Dimension öffentlicher Grünanlagen erkannt und umgesetzt. Es entstanden Bürgergärten, Stadtparks und Kaisergärten, in denen das Bürgertum seinen sittsamen Sonntagsspaziergang absolvierte. Als herausragendes Beispiel für den ersten kommunalen Stadtpark im Ruhrgebiet ist der Stadtpark in Bochum zu nennen, den Romeis/Bieker fotografisch festgehalten haben.

Auch wenn dem im 19. Jahrhundert aufstrebenden Rheinisch-Westfälischen-Industriegebiet die Universitäten als Kristallisationspunkte für die Anlage Botanischer Gärten fehlten, entstanden Lehr- und auch Schaugärten. Besonders hervorzuheben sind der Botanische Garten der Ruhr-Universität in Bochum und der Botanische Garten Rombergpark in Dortmund, von denen mehrere Fotografien die Ausstellung bereichern.

Angeregt durch Beispiele in England und Belgien erfolgten um 1850 auch in den deutschen Bundesländern erste Verkaufsschauen für Gärten und Pflanzen. Die damit verbundenen Ausstellungsgärten und Gartenschauen wurden von Botanischen Gesellschaften oder Gartenbauvereinen in Verbindung mit Baumschulen und Gärtnereien, später auch unter wesentlicher Beteiligung der Städte organisiert. Entsprechend zeigt die Ausstellung aktuelle Fotografien des Grugaparks, entstanden anlässlich der “Großen Ruhrländischen Gartenbau-Ausstellung“, Gruga, mit der die Stadt Essen 1929 zeitgemäße Grünflächenpolitik und Gartenarchitektur präsentierte. Mit der internationalen Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr 2027 verspricht sich der Regionalverband Ruhr schließlich auch eine internationale Strahlwirkung derartiger stadtstrukturell nachhaltiger Auswirkungen von Bundes- und Landesgartenschauen im Ruhrgebiet. Parallel zu den Gartenschauen entstanden in den 1920er Jahren im Rheinisch-Westfälischen-Industriegebiet Volksparks oder Volksgärten. Diese gewährleisteten die Nutzungsrechte für alle sozialen Schichten und sorgten für einen Ausgleich der unzureichenden Wohnhygiene und der bedrohlichen Luftverschmutzung. Begriffe wie „sanitäres Grün“ oder „grüne Lunge“ wurden geprägt. Augenfällig zeigt den Wandel der Schlosspark Berge: Die adeligen Besitzer verkauften die Anlage 1924 an die Stadt Buer (Gelsenkirchen), die hier eine Volkserholungsstätte einrichtete und das Gelände für die breite Bevölkerung öffnete.

Mit dem Niedergang der Montanindustrie im Ruhrgebiet in den 1970er und 1980er Jahren gingen viele tausende Arbeitsplätze verloren und hinterließen dabei mehrere Tausend Hektar ehemaliger Produktionsflächen. Die Antwort der Landesregierung NRW auf diese Entwicklung war ein entsprechendes Strukturprogramm. Es entstanden neue Parks und Gärten, für die die planenden Landschaftsarchitekten jeweils ihre Interpretation der ehemals industriell genutzten Areale zeigen. Beispiele für derartige Freiraumkonzepte geben Fotografien des Landschaftsparks Duisburg-Nord, des Gehölzgartens Haus Ripshorst in Oberhausen, der Halde Großes Holz in Bergkamen, des Westparks in Bochum, des Berne-Parks in Bottrop und des Zollvereinparks in Essen.