Der Europatag 2021 des Rhein-Kreises Neuss hat wegen der Corona-Pandemie im Internet stattgefunden und stand unter dem Leitwort „Nachhaltige Zukunft im Rhein-Kreis Neuss: Wie kann der European Green Deal die Umsetzung des Strukturwandels unterstützen?”. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke begrüßte zu der Veranstaltung, die ganz im Zeichen der Umsetzung des European Green Deals, der Möglichkeiten des EU-Klimapakts und von Zukunftsprojekten in der heimischen Region stand.

Bis 2050 will Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent werden. Der dem zugrunde liegende Green Deal zielt auch auf Wachstumsstrategien für eine ressourcen-effizientere und dauerhaft wettbewerbsfähige Wirtschaft. „Mit dem gesetzlich festgelegten Ausstieg aus der Kohleverstromung leistet das Rheinische Revier einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität und trägt damit auch zu den Zielen der Europäischen Union bei, mit dem europäischen Green Deal globaler Vorreiter beim Klima- und Ressourcenschutz zu werden“, sagte Petrauschke.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, so Petrauschke, habe nun in Deutschland eine weitere Konkretisierung der Reduktionsziele nach 2030 verlangt und fordere alle Ebenen auf, die Zielmarken neu zu definieren. Er sei jedoch – wie die Europäische Kommission – optimistisch, dass Klimaschutz und Wachstum keine Gegensätze bildeten, und betonte, wie wichtig in diesem Zusammenhang der Gründergeist sei: „Als Landrat des europaaktiven Rhein-Kreises Neuss freue ich mich auf viele gute und neue Ideen, um neben dem Bestandserhalt auch neue Unternehmen anzusiedeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen.“ Die Voraussetzungen dafür seien im Rheinischen Braunkohlenrevier jedenfalls gut.

Jochen Pöttgen, Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn, stellte ebenfalls heraus, dass der nachhaltige Wandel nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch neue Industriebereiche und damit neue Arbeitsplätze schaffen könne. In 31 Regionen in elf EU-Mitgliedstaaten würden heute noch fossile Brennstoffe abgebaut. Als Unterstützungsinstrument sei deshalb 2017 die Initiative für kohle- und kohlenstoffintensive Übergangsregionen ins Leben gerufen – im Mai 2020 folgte der Mechanismus für einen gerechten Übergang, der für den Zeitraum bis 2027 mindestens 100 Milliarden Euro für betroffene Regionen zur Verfügung stellt. Damit sollen sozio-ökonomischen Auswirkungen abgefedert werden, z.B. durch die finanzielle Unterstützung von Unternehmen und Arbeitnehmern.

Die Frage, wie in Deutschland die Klimawende gelingen kann, so Professor Manfred Fischedick, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Energie, Umwelt, habe sein Institut im vergangenen Jahr gemeinsam mit Prognos genauer untersucht und dafür drei notwendige Schritte identifiziert: Den vehementen Ausbau von erneuerbaren Energien, den Ausbau von Elektromobilität sowie Gebäudesanierungen und den CO2-neutralen Neubau.

Kreisdirektor Dirk Brügge stellte in seinem Vortrag mehrere innovative Zukunftsprojekte des Rhein-Kreises Neuss und des Rheinischen Reviers vor, die die mit dem European Green Deal verbundenen Ziele bereits angegangen seien. Mit dem Projekt „ALU-Valley 4.0 Rheinisches Revier“ wolle der Rhein-Kreis Neuss gemeinsam mit der Industrie ein Engineering Lab und ein Innovationszentrum Aluminium und Kreislaufwirtschaft aufbauen: Die 1. Phase des Netzwerkaufbaus mit allen wichtigen Akteuren aus Wirtschaft und Industrie sowie der Forschungs- und Wirtschaftsinstitutionen sei erfolgreich abgeschlossen. Für die 2. Phase sei ein Förderantrag für eine Machbarkeitsstudie gestellt worden. Eine Förderentscheidung werde in Kürze erwartet.

Im Rahmen des Projekts „Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft (Hydro´s LOOP)“ gehe es um die Umstellung von Primär- auf Sekundäraluminium mit dem Ziel des geringeren Ressourcenverbrauches. Auch das Thema Wasserstoff sei im Rhein-Kreis Neuss und in der Region schon weit vorangekommen. Mit der „Kompetenzregion Wasserstoff Düssel.Rhein.Wupper“ wurde mit den benachbarten Städten und Kreisen und dem Unternehmen Air Liquide der Wettbewerb des Landes NRW als „Modellregion Wasserstoffmobilität NRW“ gewonnen. Im „Wasserstoff-Hub Rhein-Kreis Neuss/Rheinland e.V.“ werden öffentliche und private Kräfte gebündelt; der Verein wurde Ende 2020 gegründet. Hauptziel sei, den Rhein-Kreis Neuss und das Rheinland als bedeutenden Standort für die Wasserstoffindustrie zu etablieren.

Weitere Anknüpfungspunkte im Rhein-Kreis Neuss seien unter anderem das Projekt HECTOR im Chempark Dormagen mit der weltweit größten Anlage zur Speicherung von grünem Wasserstoff, die Erarbeitung einer „Wasserstoff-Roadmap“, das Projekt Global Entrepreneurship Centre (GEC) for sustainable Chemistry und ein Launch Center für die Lebensmittelindustrie (LCL), dessen Ziel die Herstellung von Lebensmitteln aus pflanzlichen (Vor-)Produkten ist.