Entwicklung deutsch-polnischer Beziehungen und Kommunalpartnerschaften

Entwicklung deutsch-polnischer Beziehungen und Kommunalpartnerschaften

Schon seit der Übernahme der Patenschaft Deutschlands für den 2004 erfolgten Beitritt Polens in die EU pflegt der Rhein-Kreis Neuss Kontakte in den heutigen Kreis Mikolów. 2019 werden die beiden Kreise das 25-jährige Bestehen einer intensiven Partnerschaft feiern können. Den jüngsten Besuch des Partnerschaftskomitees aus Polen nahm der Rhein-Kreis Neuss nun zum Anlass, die deutsch-polnischen Beziehungen in der EU über die vergangenen zwei Jahrzehnte zu beleuchten und gleichzeitig zu erörtern, wie sich die kommunalen Partnerschaften zwischen Deutschen und Polen in Nordrhein-Westfalen entwickelt haben.

Kreisdirektor Dirk Brügge und Landrat Henryk Jaroszek aus Mikolów eröffneten die Veranstaltung mit dem Europa-Abgeordneten Elmar Brok als Hauptreferenten. Brok war langjähriger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments und ist Berater der deutschen Bundesregierung in außenpolitischen Fragen. Wie Kreisdirektor Dirk Brügge betonte, sei die deutsch-polnische Geschichte mit viel Leid verbunden, dennoch seien aus Deutschland und Polen gute Freunde und Nachbarn geworden. Dies zeige sich auch darin, dass viele polnische Bürger in Deutschland und in NRW lebten. Der gegenseitige Handelsaustausch beider Länder wachse ebenfalls und habe im Jahr 2016 schon die 100-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Zudem hätten polnische Unternehmen bereits eine Milliarde Euro in Deutschland investiert.
Landrat Jaroszek sagte, dass die bald 25-jährige Partnerschaft zwischen dem Rhein-Kreis Neuss und dem Kreis Mikolów Pionierarbeit gewesen sei und ein Beitrag zur Einigung Europas. „Die kommunalen Partnerschaften sind das Herz der Beziehungen zwischen den Ländern“, erklärte auch der Europa-Abgeordnete Elmar Brok. Und die Einigung Europas, so Brok, habe die Grundlage für Frieden und Freiheit und damit auch für die historische Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland geschaffen. Es sei von großer Aussagekraft, dass sich 80 Prozent der Bevölkerung in Polen und in Deutschland für die Mitgliedschaft ihres Landes in der EU aussprächen. Die aktuellen Differenzen zwischen Polen und der EU zu Fragen der Rechtsstaatlichkeit bewertete Brok als „keine große Erschütterung“. Polen profitiere ökonomisch und auch bei der Sicherheit weiter von der Mitgliedschaft in der EU. 

Dr. Marzena Kloka-Kohnen von der Staatskanzlei NRW hielt im Neusser Kreishaus einen Vortrag zum Thema „Die Partnerschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und der Woiwodschaft Schlesien – Stand der Beziehungen und aktuelle Projekte“. Andrzej Dudzinski, Konsul und Referatsleiter im Generalkonsulat der Republik Polen in Köln, widmete sich der Frage: „Inwiefern können die deutsch-polnischen Kommunalpartnerschaften das deutsch-polnische Verhältnis bereichern und ergänzen?“.

 Das musikalische Rahmenprogramm gestaltete der Künstler und Musiker Dieter Patt, ehemaliger Landrat und heute Ehrenvorsitzender des Partnerschaftskomitees Europäische Nachbarn des Rhein-Kreises Neuss, an der E-Gitarre.