Der Rhein-Kreis Neuss hat bereits im vergangenen Jahr einen Einkaufsdienst für Menschen in Quarantäne eingerichtet. „Der Krisenstab hat diesen Service vor über einem Jahr ins Leben gerufen, um insbesondere ältere Menschen zu unterstützen“, erläutert Krisenstabsleiter Dirk Brügge und ergänzt: „Wir vermitteln Hilfsangebote in der Nähe, und ich bin allen Helferinnen und Helfern im Rhein-Kreis Neuss dankbar, die sich seit Ausbruch der Pandemie für ihre Mitmenschen engagieren.“ Sozialamtsleiterin Anja Moll ergänzt: „Mit diesem Angebot stellen wir sicher, dass Haushalte ohne soziale Kontakte auch während der Corona-Pandemie gut versorgt sind – beispielsweise Senioren, deren Verwandte ihren Wohnsitz nicht in der Region haben.“

Allein im April sind 66 Anfragen in ihrem Amt eingegangen. Gefragt war nicht nur Hilfe beim Einkauf, sondern auch Unterstützung beim Gassi gehen. Barbara Nieskens und Alice Bieberich-Muckel erstellen im Sozialamt als Pflegesachverständige Gutachten und beraten Bürger zur Heimunterbringung und zu ambulanten Hilfen. Im vergangenen Jahr haben sie neben dieser Arbeit in rund 400 Fällen schnell und kostenlos Hilfe vermittelt. Anfragen erhalten sie über die Kollegen des Kreisgesundheitsamtes, die in engem Kontakt mit den Menschen in Quarantäne stehen und in ihren Telefonaten auch fragen, ob diese Unterstützung benötigen.

Bereits zu Beginn der Pandemie hatte der Krisenstab des Rhein-Kreises Neuss Kontakt mit den örtlichen Wohlfahrtsverbänden aufgenommen und deren Angebote abgefragt. Barbara Nieskens und Alice Bieberich-Muckel versuchen schnell zu helfen, indem sie passgenaue Unterstützung finden und somit freiwillige Helfer und Hilfesuchende zusammenbringen.

Die Hilfsbereitschaft im Rhein-Kreis Neuss ist enorm groß: Neben Caritas und Diakonie bieten zahlreiche Gruppen ihre Hilfe an. Fast in jeder Kommune haben sich Freiwillige zusammengeschlossen – in Neuss zum Beispiel die muslimische Ahmadiyya Gemeinde, in Grevenbroich die Gruppe „Kein Corona für die Oma“. Auch in den anderen Kommunen gibt es vergleichbare Angebote: von den „Helfenden Händen“ in Kaarst und Dormagen bis hin zu #rokibstrong in Rommerskirchen. Barbara Nieskens erzählt: „Diese örtlichen Gruppen sind eine enorme Hilfe; einige haben wir über die sozialen Medien gefunden. Wir prüfen die Angebote und nehmen sie in unsere Liste auf, wenn sie zuverlässig sind und die Zusammenarbeit gut funktioniert.“ Darüber hinaus arbeiten sie und ihre Kollegin eng mit den Kommunen zusammen und leiten einzelne Anfragen an diese weiter.

Welche Form von Unterstützung ist besonders gefragt? In zwei Drittel der Fälle geht es um Hilfe bei Einkäufen; häufig brauchen die Menschen in Quarantäne auch kurzfristig Medikamente. „In vielen Fällen gilt es, schnell zu reagieren und etwas zu organisieren“, sagt Barbara Nieskens, die auch an den Wochenenden für die Kollegen im Gesundheitsamt erreichbar ist. Sie hat immer ein offenes Ohr für die Nöte der Menschen. „Insbesondere wenn jemand in Quarantäne ist, ist der Gesprächsbedarf manchmal sehr hoch“, stellt sie fest.

Bei rund einem Viertel der Anfragen geht es um Hilfe beim Gassi gehen. Alice Bieberich-Muckel erläutert: „Die Vermittlung von Freiwilligen, die regelmäßig mit dem Hund von Nachbarn spazieren gehen, ist nach wie vor schwierig – zum einen, weil dies einen mehrmaligen Einsatz pro Tag erfordert, und zum anderen können Hunde nicht in jedem Fall einfach ohne Vorbereitung weitergegeben werden.“

Während zu Beginn der Pandemie vor allem ältere Menschen den Versorgungsdienst in Anspruch genommen haben, sind inzwischen alle Altersgruppen nahezu gleich stark vertreten. Sobald die Infektionszahlen steigen, erhöht sich auch die Anzahl der Anfragen. Barbara Nieskens appelliert an alle Hilfesuchenden, das Angebot des Sozialamtes nur zu nutzen, wenn keine Hilfe durch Familie oder Nachbarn möglich ist.

Freiwillige Helfer können sich im Online-Portal des Rhein-Kreises Neuss anmelden mit Angaben zu möglichen Tätigkeiten und zu besonderen Kenntnissen oder Fähigkeiten unter: rkn.nrw/ehrenamt.