Der international bedeutende schwedisch-amerikanische Künstler Claes Oldenburg schenkt dem Museum Ludwig sein Werkensemble Mouse Museum – Continued (I) und (II) von 2016. Die Arbeiten bestehen aus 81 Objekten auf zwei Holzregalen und sind eine Fortführung seines berühmten Mouse Museums von 1965/1977.   Claes Oldenburg (*1929) zählt zu den wichtigsten Vertretern der Pop Art. Seine monumentalen, an Alltagsgegenständen orientierten Skulpturen im öffentlichen Raum prägen Orte in zahlreichen Metropolen.
„Claes Oldenburg ist nicht zuletzt durch sein ‚Eishörnchen‘ auf dem Dach der Neumarkt-Galerie eine feste Größe in Köln. Seine Schenkung des Werkensembles Mouse Museum – Continued ist eine großartige Erweiterung der Sammlung des Museum Ludwig. Das Museum beherbergt die größte Sammlung amerikanischer Pop Art außerhalb der USA. Ich freue mich sehr, dass dieser Schwerpunkt nun durch die großzügige Schenkung verstärkt wird.“, so Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach. „Wir sind stolz und glücklich, dass uns der international renommierte Künstler Claes Oldenburg seine Arbeit Mouse Museum – Continued schenkt. Das Werk ergänzt den bereits vorhandenen Sammlungsbestand von Oldenburg im Museum Ludwig künstlerisch wie sammlungshistorisch sehr sinnvoll“, so Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig. Mitte der 1960er Jahre begann Claes Oldenburg eine Ansammlung von teils kuriosen Alltagsgegenständen, Comicfiguren, Souvenirs, sowie Modellen von eigenen Arbeiten in seinem New Yorker Atelier zu präsentieren. 1972 auf der documenta 5 hat er dieses Mouse Museum erstmals baulich umgesetzt. 1979 erwarb Peter Ludwig diese bedeutende Arbeit, die sich heute im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien befindet. In Köln war das Mouse Museum einige Male als Leihgabe zu sehen, beispielsweise in den Ausstellungen Claes Oldenburg. The Sixties 2012 und LUDWIG GOES POP 2014/15.

Die Betrachter*innen können sich in eine Maus hineinversetzen und so die kleinen Gegenstände als riesig ansehen, wie Skulpturen oder Monumente. Oldenburg selbst hat das Mouse Museum mit der Spielzeugsammlung eines Kindes verglichen, das Dinge hortet, die zu gegebener Zeit nützlich erscheinen und eine Modellsituation von Welt darstellen. Mit seinen Versatzstücken von Zivilisation ist das Mouse Museum als Mikrokosmos grundlegender Museumerfahrung gedacht. Mit  Mouse Museum – Continued greift Claes Oldenburg die Idee des Mouse Museums wieder auf und führt sie fort. Das Werk war 2016 als Leihgabe des Künstlers Bestandteil der Ausstellung Wir nennen es Ludwig im Museum Ludwig, Köln. Das Museum Ludwig erwirbt drei Werke der vielfach ausgezeichneten US-amerikanischen Konzeptkünstlerin und analytischen Philosophin Adrian Piper (*1948 in New York). Seit den 1970-Jahren befasste sie sich – als eine der ersten Konzeptkünstler*innen überhaupt – mit Rassismus und Sexismus.

Auch deshalb gilt sie heute als Vorreiterin, insbesondere für eine jüngere Generation von Künstler*innen, die sich mit dem Verhältnis von Kunst, Gesellschaft und Politik auseinandersetzt. Der Preis für alle drei Werke beläuft sich auf 403.526 €. „Ich freue mich sehr, dass das Museum Ludwig seine Sammlung mit Werken der weltweit renommierten Künstlerin Adrian Piper ergänzen kann. Pipers Werk hat heutige soziale Bewegungen – etwa Black Lives Matter – beeinflusst und ist daher heute mindestens so aktuell wie zu seiner Entstehung vor 30 Jahren“, so Susanne Laugwitz-Aulbach, Kulturdezernentin der Stadt Köln. „Mein Team und ich bemühen uns derzeit verstärkt darum, Kunst sozial zu verorten: zu zeigen, wie soziale und politische Prozesse in die künstlerische Praxis einfließen und umgekehrt Kunst zur Bewusstseinsbildung und Selbstbestimmung gesellschaftlicher Akteure beiträgt. Die Arbeiten von Adrian Piper stehen geradezu exemplarisch für eine Kunst, die dieses Verhältnis von ästhetischer und sozialer Praxis reflektiert“, erläutert Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig, den Ankauf.

Zwei der drei neu erworbenen Arbeiten gehören zu einer der bekanntesten Werkgruppen von Piper: Decide Who You Are von 1992. Ein Ausgangspunkt dieser Werkgruppe war ein Fall von sexueller Belästigung in den USA, der bis heute unvergessen ist. Die Staatsanwältin Anita Hill bezichtigte den Obersten Richter Clarence Thomas, sie sexuell belästigt zu haben. Die Medienberichterstattung wendete den Fall allerdings gegen Hill und diskreditierte sie. Die Arbeiten der Werkgruppe bestehen aus jeweils drei Siebdruck-Tafeln. Die rechte zeigt ein Kindheitsfoto von Anita Hill, darüber ist eine Aneinanderreihung verharmlosender Floskeln angebracht: „IT’S NO BIG DEAL. YOU’RE OVERREACTING. NOTHING HAPPENED“ usw. Die linke Tafel zeigt jeweils das Motiv der drei Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen, ergänzt um poetisch verdichtete Texte, die unterschiedliche, meist soziale Themen ansprechen. Die mittlere Tafel variiert Reproduktionen aus Magazinen. Die  Anordnung der Elemente und das Aufgreifen von Phrasen und Magazinbildern verweisen auf  die mediale Spiegelung und Banalisierung  von Diskriminierung, zugleich fordern die Arbeiten dazu auf, Position zu beziehen: „Decide Who You Are“.

Die ein Jahr zuvor entstandene Installation What It’s Like, What It Is #2.2 arbeitet mit ähnlichen künstlerischen Mitteln. Ein auf dem Boden aufgestellter Fotoausschnitt zeigt in Lebensgröße eine Gruppe weißer Frauen und Männer, die wütend schreien. Sie reagieren auf eine Demonstration von Afroamerikaner*innen anlässlich der rassistisch motivierten Ermordung des 16-jährigen Yusef Kirriem Hawkins. Zweites Element der Installation ist ein Bewerbungsformular, auf das – zerteilt und in die Abteilungen des Formulars eingepasst – das gezeichnete Gesicht eines schwarzen Mannes gedruckt ist. Verbunden sind beide Elemente durch die aufgedruckten Wörter „Forget“ und „it“. Drittes Element ist der Soundtrack: „White Noise“ von CD, ein grelles Rauschen, das die Artikulation spezifischer (Leidens-) Erfahrungen verschluckt und das hier – schon seines Namens wegen – weiße Dominanz akustisch verkörpert. Decide Who You Are #13 Virtue und #31 Snacktime warenzentrale Exponate der Ausstellung Mapping the Collection, die das Museum Ludwig im Sommer 2020 gezeigt hat. 2015 wurde Piper als beste Künstlerin mit dem Goldenen Löwen der Biennale von Venedig ausgezeichnet, 2018 mit einer großen Überblicksausstellung im Museum of Modern Art in New York geehrt. In diesem Jahr wird sie mit dem Goslaer Kaiserring ausgezeichnet, einem der renommiertesten Preise für zeitgenössische Kunst in Deutschland. 

Bildcredit:
Claes Oldenburg, Mouse Museum Continued, 2016, Detail
81 Objekte auf zwei Holzregalen
© Claes Oldenburg, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

Adrian Piper, Decide Who You Are #31: Snacktime, 1992
Siebdruck, 3 Teile
182,8 cm x 106,7 cm; 121,9 cm x 147,9 cm; 182,8 cm x 106,7 cm
Foto Credit: Alan Zale/ The New York Times; Acey Harper/ People

© Adrian Piper Research Archive (APRA) Foundation Berlin
Foto: Installationsansicht Mapping the Collection, 20. Juni – 23. August 2020, Museum Ludwig, Köln Rheinisches Bildarchiv Köln/ Nina Siefke.