Hans Scholten hat das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Im Beisein von Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld überreichte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke die Auszeichnung in kleiner Runde im Kreisständehaus in Grevenbroich. “Das Bundesverdienstkreuz lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Leistungen, die besondere Bedeutung für unser Gemeinwesen haben; und es ist ein Symbol für den Respekt und die große Sympathie, die Hans Scholten in unserer Heimatregion und weit darüber hinaus entgegen gebracht werden – sei es als langjähriger Direktor des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus in Dormagen oder für seinen großen ehrenamtlichen Einsatz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene”, so Petrauschke in seiner Laudatio.

Hans Heinrich Scholten wurde in Saarbrücken geboren und lebt heute in Neuss. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2017 war er 30 Jahre lang Leiter des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus in Dormagen – eine Einrichtung, die Kinder, Jugendliche und deren Familien mit vielfältigen Hilfsangeboten unterstützt. Seit Jahrzehnten ist er zudem ehrenamtlich im Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe e.V. (BVkE) tätig. Für die Ziele des Caritas-Fachverbandes, der sich für vielfach benachteiligte Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien einsetzt, hat er sich von 1990 bis 2002 und von 2006 bis 2017 auch im Vorstand engagiert.

Hans Scholten war und ist bundes- und europaweit einer der profiliertesten und viel beachteter Verfechter einer modernen, auf christlichen Grundsätzen basierenden Pädagogik. Zum Thema Aufdeckung und Umgang mit Missbrauchsfällen bezog er stets eine offensive und klare Haltung. So setzte sich Hans Scholten dafür ein, dass sexueller Missbrauch in Einrichtungen immer benannt und die Opfer unterstützt wurden. Und das nicht nur mit einer materiellen Entschädigung, sondern auch mit einer umfassenden öffentlichen Diskussion über die jeweiligen Missstände. Er hat viel Zeit und Energie in die Stärkung der Rechte von Kindern und in die Zukunftsentwicklung ihrer Erziehung investiert. Er war Mitglied in zwei Enquete-Kommissionen auf Bundes- und Landesebene, die sich damit befassten. Als Experte hat er der Deutschen Kinder- und Jugendhilfe positive Impulse gegeben. Dafür steht seine Mitarbeit in vielen Fachgremien und Arbeitsausschüssen oder im Bundesvorstand des BVkE.

Außerdem hat Hans Scholten für den Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe ein Weiterbildungskonzept in Erlebnispädagogik entwickelt und umgesetzt. Über Jahre konnte sich so eine Vielzahl von Sozialpädagogen zusätzlich für die Erlebnispädagogik qualifizieren. Eine andere Initiative, die auf Hans Scholten zurückgeht, verknüpft Naturschutz und pädagogische Arbeit. So arbeiten im Projekt “wildewaldwelt.de” Fachleute aus der Jugendhilfe Hand in Hand mit Experten aus dem Forst- und Umweltbereich, um jungen Menschen den Lebensraum Wald zu vermitteln. Dabei lernen sie auch praktischen Natur- und Tierschutz kennen.

Neue Wege ging Hans Scholten auch auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit. Transparenz und wechselseitiger Dialog waren Ziel und Ergebnis einer behutsamen Öffnung, mit der er das Raphaelshaus, ortsansässige Unternehmen, Vereine und interessierte Bürger erfolgreich zusammengebracht und so im Herzen der Dormagener Gesellschaft verankert hat. Seine ehrenamtliche Tätigkeit auf den verschiedensten Ebenen ist inhaltlich immer auch vor seinem beruflichen Hintergrund zu sehen. Für den Rhein-Kreis Neuss, der dem Raphaelshaus über viele Jahre verbunden ist, sprach Landrat Petrauschke daher auch einige seiner Verdienste an, die im Zusammenhang mit Kooperationen mit dem Kreis stehen.

Bereits 1992 hat Hans Scholten als Geschäftsführer mit dem Rhein-Kreis Neuss eine Vereinbarung getroffen, Schülern aus dem Kreisgebiet im Raphaelshaus an der Förderschule aufzunehmen. Damit wurde seinerzeit der Förderschul-Bedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung gedeckt. Dies wurde im Jahr 2000 durch eine weitere Vereinbarung zur Nachmittagsbetreuung für externe Schülerinnen und Schüler vertieft. Damit wurde im Kreis ein zusätzliches pädagogisches Angebot geschaffen, um Kinder und Jugendliche vor einer Verwahrlosung im heimischen Umfeld zu bewahren. Im stark nachgefragten “Werkstattjahr” unter der Leitung von Hans Scholten konnten die Kooperationspartner Kreis, Currenta und Jugendhilfezentrum Raphaelshaus von 2005 bis 2015 Jugendlichen ohne Schulabschluss ein berufsvorbereitendes Jahr mit Industrie- und Handelskammer-Zertifikat anbieten. Auch die Kunst hat Hans Scholten in die pädagogische Arbeit eingebunden. Denn Kunst hilft, sich selbst zu erkennen und beim Entdecken neuer Perspektiven.