Der Rhein-Kreis Neuss unterstützt die Stadt Grevenbroich bei der Unterbringung von Ukraine-Flüchtlingen. Heute übergaben Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Kreisdezernent Martin Stiller die zur Not-Unterkunft umgebaute Dreifachturnhalle des Berufsbildungszentrums des Kreises in Grevenbroich an Bürgermeister Klaus Krützen. Wo vor wenigen Tagen noch Basketballer spielten und Schüler sich zum Sportunterricht versammelten, finden nun bis zu 300 Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten, Platz.

„Ich bin allen Beteiligten sehr dankbar, dass wir hier mit viel Engagement und Flexibilität den vor dem kriegerischen Angriff Russlands geflüchteten Ukrainern gemeinsam Schutz und Obdach bieten können. Gerade mit Blick auf die zurückliegenden Monate verdient das besondere Anerkennung“, sagte Landrat Petrauschke. Nach der Übergabe wird sich die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Rotkreuz-Kreisverband Grevenbroich um die Versorgung der Flüchtlinge kümmern. Die Hallenreinigung wird über den Kreis organisiert.

„Wir danken dem Rhein-Kreis Neuss für die schnelle und unbürokratische Herrichtung und Bereitstellung der BBZ-Halle“, betonte Bürgermeister Krützen. Zunächst könne Grevenbroich dort bis zu 300 Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet Ukraine unterbringen. „Um eine langfristige Belegung der Halle zu vermeiden“, so Krützen weiter, „sind wir aber auch auf die Bereitstellung von freiem Wohnraum angewiesen. Bürgerinnen und Bürger, die private Unterbringungsmöglichkeiten für die Geflüchteten anbieten möchten, können über unsere Homepage Kontakt mit uns aufnehmen.“

In weniger als einer Woche war es dem Rhein-Kreis Neuss gelungen, trotz akutem Handwerker- und auch Feldbettenmangel eine große Flüchtlingsunterkunft bereitzustellen. Dabei wurde eine zusätzliche Stromversorgung mit über 80 Steckdosen für Handy-Aufladung verlegt, zudem wurde das Datenvolumen für freies WLAN kräftig verstärkt. Unter anderem wurden auch über 20 Handhygiene-Spender und zusätzliche Feuerlöscher montiert, die vorhandene Amok-Schließanlage durch eine neue Schließanlage ersetzt. Die Lüftungsanlage wurde neu gewartet und im Zuge einer teilweisen Dachsanierung noch ausstehende Arbeiten zur Regen-Entwässerung und zum Blitzschutz wurden vorgezogen. Trennwände bieten den künftigen Nutzern einerseits Sichtschutz, andererseits geben sie Orientierung. Insgesamt 500 laufende Meter an Bauzäunen fanden außen und innen Verwendung. Geschlafen wird auf Feldbetten. Davon hat der Kreis gleich 800 Exemplare erworben. „Damit haben wir Reserve, falls noch andere Turnhallen geöffnet werden müssen“, erläutert Martin Stiller als für den Katastrophenschutz zuständiger Dezernent.

Im Vergleich zum Jahr 2015 ist einiges anders als bei der letzten großen Flüchtlingswelle. Beim letzten Mal waren es sehr viele junge Alleinreisende, die nach Deutschland gekommen sind. Aktuell sind es vor allem Frauen mit Kindern und ältere Menschen. „Auch die Corona-Pandemie und zum Beispiel die Unterbringung von infizierten Geflüchteten war bei der aktuellen Planung zu berücksichtigen“, berichtet Stiller.

Im Umfeld der Halle wurden daher zwei besondere Zelte aufgebaut. In einem ist eine Corona-Teststelle eingerichtet, in der sich jeder nach der Ankunft — und später auch täglich — einem Test unterziehen muss. Für Menschen, die positiv auf Covid getestet wurden, steht ein Quarantäne-Zelt zum kurzzeitigen Aufenthalt bereit. Ein drittes Zelt dient als Wartebereich — von dort aus geht es zur Registrierung, für die das Foyer der Halle zum Büro umgebaut wurde. In den beiden kleinen Hallen des BBZ sind Essensausgabe und Speisebereich eingerichtet. Duschen und Waschgelegenheiten sind ausreichend vorhanden. Auch ein Hänger mit mobilen Wasch- und Trockenmöglichkeiten für Kleidung steht bereit.