Immer mehr Menschen sind in Deutschland von Überschuldung bedroht oder betroffen. Laut Schätzung sind dies, verstärkt durch die Corona-Pandemie, rund zehn Millionen Menschen – darunter immer mehr Soloselbstständige und Freiberufler. „Das geht weit über den Bereich der Grundsicherungsempfänger und Niedriglohnbezieher hinaus“, betont Joachim Kremmers von der Caritas-Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in Grevenbroich. Das Beraterteam will auf die Situation dieser Menschen aufmerksam machen und fordert den Ausbau der Beratungsstellen. Anlass ist die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung 2021 unter dem Motto „Der Mensch hinter den Schulden“. Die Beratungsstelle bietet dazu in der Woche vom 7. bis zum 11. Juni besondere Sprechzeiten an.

Die Quote der Erstberatungen sei in der Beratungsstelle auf konstant hohem Niveau, sagt Joachim Kremmers. Dabei gebe es einige Fälle, die wegen direkter Folgen, wie etwa dem Verlust eines Minijobs in der Gastronomie, oder indirekter Folgen der Pandemie, wie Verschuldung wegen Kurzarbeit, zur Beratungsstelle kämen. „Getreu dem Motto der Aktionswoche geht es uns um die Menschen hinter den Schulden“, so Kremmers und betont: „Verschuldung ist immer auch eine menschliche Katastrophe und zieht oft physische und psychische Erkrankungen nach sich.“ Das Team der Beratungsstelle empfiehlt deshalb allen Betroffenen, sich möglichst frühzeitig Hilfe zu suchen und durch professionelle Unterstützung einen Ausweg aus der Überschuldung zu finden.

Im Rahmen der Woche macht sich das Beratungsteam für den Ausbau der Beratungsstellen, ein gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Schuldnerberatung sowie eine deutlich verkürzte Speicherfrist von Schuldnerdaten bei Auskunfteien stark. Hintergrund: Es ist zwar seit der jüngsten Reform des Insolvenzrechtes möglich, die Restschuldbefreiung nach drei Jahren zu erhalten, diese bleibt aber bei der SCHUFA für weitere drei Jahre eingetragen. So ist es für Betroffene schwer bis unmöglich, zum Beispiel eine neue Wohnung zu finden. „Eine Speicherfrist von höchstens einem, besser einem halben Jahr wäre völlig ausreichend“, betont Kremmers. Auch für das zweite Halbjahr rechnet das Team der Beratungsstelle mit vielen weiteren Erstberatungen.

Während der Aktionswoche ist die Caritas-Schuldnerberatung jeweils Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr per Telefon (02181 – 81 99 250), per Mail (schuldnerberatung@caritas-neuss.de) und online (beratung-caritas.de) erreichbar.