27. Festival Alte Musik Knechtsteden

27. Festival Alte Musik Knechtsteden

Die Politik trennt, die Musik eint: Das 27. Festival Alte Musik Knechtsteden hat im Gedenkjahr 2018 das ÜberLeben in unruhigen Zeiten zum Thema. In rund 10 Veranstaltungen vom 22. bis 29. September geht es um radikale Menschlichkeit in alten Musiken mit aktuellem Bezug. Das Festival stellt Schicksalsklänge und Friedensbotschaften von Mittelalter bis zur Zwölftonmusik ins Zentrum.

Letzte Dinge beginnen und beschließen das Festival: Im Auftaktkonzert wird neben Beethovens Fünfter – seiner Schicksalssymphonie – das selten aufgeführte Oratorium „Die vier letzten Dinge“ des Mozart-Schülers Joseph Eybler unter der Leitung von Hermann Max mit der Rheinischen Kantorei und dem ensemble reflektor zu erleben sein. Das Konzert wird auch als Livestream auf Facebook präsentiert. Den Kreis der letzten Dinge beschließt das Abschlusskonzert, wenn Hermann Max Buxtehudes Kirchenoper „Das Jüngste Gericht“ in einer Edelbesetzung mit Solisten wie Dorothee Mields und dem Kleinen Konzert am 29. September aufführt. Eine Einstimmung darauf ist die Werkbetrachtung von Hieronymus Boschs Bilderwelten in der Stadtbibliothek Dormagen zusammen mit dem Kunsthistoriker Dr. Stefan Fischer ein. Für eine weitere Festivalproduktion von Telemanns Markus-Passion mit Rheinischer Kantorei und dem Kleinen Konzert samt CD-Einspielung ediert Max die Originalquellen neu.
Vertreter hochkarätiger Gastproduktionen im diesjährigen Festival sind die international ausgezeichnete Formation Vox Bona unter der Leitung von Karin Freist-Wissing mit Vokalwerken im Chorkonzert „Friede auf Erden“ mit Motetten von Bach, Mendelssohn und Brahms sowie Werken des 20. Jahrhunderts. Stargäste Midori Seiler und Christian Bezuidenhout musizieren Beethovens Kreutzer-Sonaten im Kreismuseum Zons, zu denen Schauspieler Rainer Iwersen aus dem gleichnamigen Beziehungs-Psychogramm des russischen Dramatikers liest – wie immer mit Einladung zum Pausenbuffett. Das Ensemble all’impriviso musiziert, tanzt und liest aus Abenteuern des Simplicissimus Teutsch in der „Landpartie“ im Kulturhof Knechtsteden. In der Gregorianischen Nacht lässt das estnische Ensemble Heinavankar die Zeit der (oft gewaltsamen) Christianisierung der baltischen Stämme im Mittelalter lebendig werden. Bachs Kunst der Rhetorik entdeckt die Orgel-Virtuosin Beate Rux-Voss in Präludien und Fugen an der 2015 eingeweihten Kampherm-Orgel in der Dormagener Christuskirche in einem neuen AfterWork-Format samt kulinarischem Empfang. Moderiert wird das Programm vom Kölner Rhetorik-Professor Karl-Heinz Göttert im Gespräch mit dem Musikwissenschaftler Bernd Heyder.

WDR und Deutschlandfunk begleiten das Festival auch in diesem Jahr mit Aufzeichnungen. Der WDR wird Telemanns Markus-Passion und Das jüngste Gericht von Dietrich Buxtehude mitschneiden, der Deutschlandfunk die Gregorianische Nacht.