Tischler-Innung präsentiert Möbel des Nachwuchses im Neusser Kreishaus

Buchstäblich gut in Form sind die Gesellenstücke der jungen Tischler aus dem Rhein-Kreis Neuss: Die Tischler-Innung zeigt noch bis zum kommenden Samstag 22 Nachwuchs-Arbeiten im Rahmen der Ausstellung „Die gute Form“ im Foyer des Kreishauses in Neuss.

Ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung war auf dem Weg in die Mittagspause spontan begeistert von den ausgestellten Möbeln: „Schöne Sachen sind das“, sagte er anerkennend. Zu sehen sind beispielsweise Sideboards, Tische, Theken oder ein asymmetrisch gestalteter Sessel. Sogar eine asiatisch anmutende Stehlampe aus Massivholz mit geöltem Lampenpapier und LED-Leuchten ist dabei. „Die könnte auch in Japan stehen“, sagt Klaus Harder, Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses. Eine Kommode im Retro-Design aus geölter und geräucherter Eiche und mit schrägen Füßen hingegen scheint direkt aus den 50er Jahren zu kommen. „Das Spektrum ist groß“, freute sich Uwe Köhler, Obermeister der Tischler-Innung Rhein-Kreis Neuss. Auffallend: Der Trend gehe zurück zu klassischen Möbeln aus Massivholz mit Rahmeneckverbindungen, wie es sie schon im Mittelalter gab. Gleichzeitig haben die künftigen Gesellen viele innovative Ansätze entwickelt. Leon Tegethoff etwa hat für sein Hängesideboard eine Glasplatte von hinten mit Eiche furniert. Dazu probierte er verschiedene Klebstoffe aus, denn das Holz musste zwar vollflächig, aber unsichtbar angeleimt werden. Das Ergebnis wirkt wie eine furnierte Platte mit einer sehr dicken Hochglanzlackierung. „Das ist Neuland, das hatten wir noch nie“, erklärt Klaus Harder.

Alte Gerüstbohlen aus den 80er Jahren verarbeitete Niklas Mohr für seine Theke. Die Bohlen bekam er vom Neusser Gerüstbauer Päffgen, bei einigen sind noch Brandspuren zu sehen. Das gute Stück steht bald in der Düsseldorfer Strandbar „bora bora“. Die betreibt Niklas nämlich zusammen mit seiner Freundin und deren Eltern. Nach der bestandenen Gesellenprüfung als Tischler will sich der 23-Jährige fürs Erste ganz auf die Gastronomie konzentrieren. Jeder Auszubildende im Tischlerhandwerk fertigt sein Gesellenstück von der Idee über die Zeichnung bis zum fertigen Objekt in 100 Arbeitsstunden. „Die Gesellenstücke geben einen hervorragenden Einblick in den Anspruch und die Qualität der Ausbildung im Tischlerhandwerk. Sie veranschaulichen zudem die facettenreiche Verbindung von Handwerk und Design“, sagt Uwe Köhler, Obermeister der Tischler-Innung Rhein-Kreis Neuss. Im Rhein-Kreis Neuss gibt es rund 180 Tischlerbetriebe, die ca. 770 Mitarbeiter beschäftigen und insgesamt rund 100 Lehrlinge in den drei Ausbildungsjahren ausbilden.

Mit ihren Gesellenstücken nehmen die bisherigen Auszubildenden gleichzeitig am Design-Wettbewerb „Die gute Form“ teil, den die Tischler-Innung veranstaltet. Unabhängig von den Voraussetzungen zum Bestehen der praktischen Gesellenprüfung beurteilt eine Fachjury die Arbeiten des Handwerker-Nachwuchses nach Originalität, Funktionalität und Ausführungsqualität. Die Sieger werden während der Lossprechungsfeier am nächsten Sonntag bekannt gegeben und geehrt.

Info:

Die Öffnungszeiten der Ausstellung im Foyer des Kreishauses | Oberstraße 91 in Neuss: Dienstag bis Donnerstag von 8.00 bis 18.00 Uhr | Freitag von 8.00 bis 15.30 Uhr | Samstag, 2. Juli, von 10.00 bis 14.00 Uhr.

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