Themenabend in Zons

Unter dem Titel „Vertriebene – Gastarbeiter – Flüchtlinge: Migrationsbewegungen und Migrationsschicksale im Rhein-Kreis Neuss nach 1945“ hatten das Archiv im Rhein-Kreis Neuss und der Kreisheimatbund jetzt zu einem historischen Themenabend eingeladen. Rund 90 Besucher begrüßte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke dazu im Kreiskulturzentrum Zons. 

Migrationsbewegungen und die damit verbundene Integration der „Fremden“ in die Mehrheitsgesellschaft sind nicht erst ein Phänomen der jüngsten Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone im heutigen Kreisgebiet nieder. Während der so genannten Wirtschaftswunderzeit kamen Arbeitskräfte aus Südeuropa und der Türkei hinzu. Seit 2015 stellen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Teilen Afrikas Politik und Gesellschaft in Deutschland vor neue Herausforderungen. Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung behandelte diese drei Migrationswellen in separaten Modulen jeweils anhand von Kurzvorträgen, der Rezitation ausgewählter Quellentexte und Zeitzeugen-Interviews. Dabei kamen die jeweiligen Hintergründe der Migration ebenso zur Sprache wie die Schwierigkeiten und Erfolge bei der Integration in die neue Heimat.
Den Auftakt machte Archiv-Mitarbeiter Peter Ströher mit der Vorstellung der historischen Hintergründe der Vertriebenen- und Flüchtlingswelle nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Anschluss ließen Birgit Wilms (Korschenbroich) und Harald Krumbein (Zons) das Publikum durch ihre gekonnte Rezitation ausgewählter Archiv-Quellen den Zeitgeist der unmittelbaren Nachkriegszeit spüren. Einen lebendigen Eindruck von der Thematik erhielten die Besucher durch das Zeitzeugen-Gespräch zwischen Klaus Karl Kaster und Hans-Jürgen Krause (beide Neuss), der aus eigener Anschauung vom Schicksal als Vertriebener und Flüchtling berichten konnte. Das zweite Modul, das den Gastarbeitern gewidmet war, wurde durch eine historische Einführung von Archiv-Mitarbeiter Martin Lambertz eröffnet. Als Zeitzeuge dieser Sektion beeindruckte Johannes Georgi (Neuss) mit der Darstellung seines eigenen, facetten- und windungsreichen Lebenswegs. Als zentrale Voraussetzung für eine geglückte Integration stellte er das Erlernen der jeweiligen Landessprache heraus.

Nach einer Pause richtete sich der Blick auf die jüngste Flüchtlingswelle. Nach einem einführenden Referat von Archiv-Leiter Dr. Stephen Schröder und der Video-Präsentation eines Ausschnitts aus der Neujahrsansprache 2016 von Landrat Petrauschke erläuterte die Kurdin Durra Aziz (Neuss) im Gespräch mit Norbert Grimbach (Dormagen) das schwere Schicksal der aus Syrien vor dem dortigen Bürgerkrieg geflohenen Menschen. Mit eindrucksvollen Worten schilderte sie die Hilfsbereitschaft vieler Deutscher, die ihr zuteil geworden ist und bis heute zuteil wird. Der Präsident des Kreisheimatbundes, Franz-Josef Radmacher, beendete den gelungenen Themenabend, dessen historische Befunde auch für die Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen von Interesse erscheinen.

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