Mit Roland Bergère „Um die Häuser“

„Wände, so wird erzählt, haben Ohren. Ist es so, haben sie auch einen Mund? Und wenn ja, können sie sprechen? Ist es der Fall, sind wir fähig, sie zu hören, und wenn – was hören wir?“ – so skurril, rätselhaft und ironisch-hintergründig führt Roland Bergère, der in der Bretagne groß geworden ist, das Eingangsobjekt seiner dritten Ausstellung in der Galerie amschatzhaus ein. 

„Um die Häuser“ heißt der doppeldeutige Titel seiner Schau, der allerdings eindeutig gemeint ist, denn tatsächlich geht es in der Ausstellung um Häuser, und nicht darum, etwa „um die Häuser zu ziehen“, wie es umgangssprachlich heißt.
In der Tradition von Künstlern wie Marcel Broodthaers oder Christian Boltanski variiert Bergère sein Thema ebenso tiefgründig wie vielgestaltig: Mal ist es ein kleiner Fensterladen aus Zink, aufgezogen auf Holz zur Assemblage, zum Ausstellungsobjekt geadelt. Dann wieder sind es minutiöse Zeichnungen, Serien von Aufklebern, säuberliche oder eher verschwommene Aquarelle. Bisweilen werden sie mit eigentümlichen Texten versehen, Geschichten oder hermetischen Prosafragmenten, die den Objekten zusätzlichen Zauber verleihen. Wenn in manchen Stücken der Bezug zum Thema klar zu erkennen ist, wird er in anderen eher verborgen oder tarnt sich als ironische Anspielung, etwa in der Arbeit „La Porte/Die Tür“.
Allegorisch auch die Themenreferenz bei der Arbeitsserie: „Les dos des photos/Der Rücken der Fotos“ – Bergère versteht Papierabzüge von Fotos gewissermaßen als ihre „Fassade“, auf die Rückseite alter Fotografien hat er nun ihr Motiv in Aquarellfarben farbig nachgetuscht. Denn hinter jedem dieser Schwarzweiß-Bilder von anno dazumal stand früher eine bunte Wirklichkeit. Bergéres Ausstellung ist ein poetisches Schaustück, Bild und Objekt gewordene Geschichte. Ruhig und mehrbödig laden sie den Betrachter dazu ein, sich Gedanken zu machen über Zeit, Raum und Gedächtnis – und damit nicht zuletzt über den Wert und die Zielvorstellungen der menschlichen Existenz. Bergères „Häuser“ sind Behältnisse für das Nachdenken, anregende Vehikel für die Begegnung mit sich selbst, eine Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte.

Roland Bergère – Um die Häuser
Neue Zeichnungen und Objekte
Ausstellungsdauer: 29.04. – 30.06.2017
Galerie amschatzhaus | Kirsten Adamek | Hauptstraße 18, 41472 Neuss
täglich geöffnet immer nach Vereinbarung unter 0171-545 7885

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