Erfolgreiche Kritik des Rhein-Kreises Neuss: Heimleitungen müssen nicht geprüft werden

Den Heimaufsichtsbehörden in Nordrhein-Westfalen ging jetzt ein Erlass aus dem neu formierten Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales zu, der bei den Seniorenzentren und beim Rhein-Kreis Neuss gleichermaßen für Aufatmen gesorgt hat.

Der Grund: Der aktuelle Erlass, der auf Betreiben von Minister Karl-Josef Laumann entstanden ist, hebt eine Regelung auf, die am 11. Mai, also drei Tage vor der Landtagswahl, von der damaligen Ministerin Barbara Steffens auf den Weg gebracht worden war. Dieser Ursprungserlass, der nebst Anlagen fast 40 Seiten stark war, sah vor, dass die Heimaufsicht die formale Qualifikation aller Leitungen in den 46 Pflegeeinrichtungen und den rund 50 Häusern für Menschen mit Behinderung im Rhein-Kreis Neuss hätte überprüfen müssen. „Darunter sind gestandene Leitungskräfte, die seit 15 oder 20 Jahren ihre Häuser tadellos führen“, sagt Kreisdirektor Dirk Brügge. „Wahrscheinlich hätten wir vielen von ihnen mitteilen müssen, dass sie plötzlich nicht mehr über die notwendigen Qualifikationen verfügen und einen zusätzlichen Lehrgang absolvieren müssen. Das wäre ein Unding gewesen“, so Brügge, der auch Sozialdezernent ist.
Hintergrund: Führungskräfte sollen ein umfassendes Wissen nachweisen, um eine Betreuungseinrichtung wie ein Altenheim optimal leiten zu können. Grundsätzlich ein guter Ansatz, der aber nach Rechtsauffassung der Kreisverwaltung nur für neue Leitungskräfte gelten darf. Ihre Kritik an dem entsprechenden Erlass teilte die Heimaufsicht des Kreises der neuen Landesregierung mit. Das Ergebnis liegt nun mit der für das gesamte Bundesland geltenden Neuregelung auf dem Tisch. Den Heimaufsichten bleibt viel zusätzliche Arbeit erspart, und die bereits anerkannten Leitungskräfte sparen Zeit, weil sie die teils kostenintensiven und zeitraubenden Kurse für Nachqualifizierungen nicht auf sich nehmen müssen.

„Wir schauen jetzt wieder nach vorn und können uns auf unsere wichtigen Kernaufgaben im Bereich der Heimaufsicht konzentrieren“, freut sich Brügge über die aktuelle Entwicklung. Einen weiteren Hinweis zur Entbürokratisierung hat die Kreisverwaltung im Bereich der Investitionskostenförderung von ambulanten Pflegeeinrichtungen an Minister Laumann geschickt. Mit diesem Thema will sich die Landesregierung in den kommenden Monaten befassen.

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