Digitalisierungsbericht vorgelegt: IT-Offensive des Rhein-Kreises Neuss

Verwaltungsangelegenheiten schnell und ortsunabhängig erledigen zu können, sollte im Internetzeitalter möglich sein. Doch die Realität in deutschen Amtsstuben sieht oft anders aus. Der Weg zur digitalen Verwaltung scheint noch weit. Rechtliche Barrieren wie Schriftformerfordernis, hohe Datenschutzanforderungen, enge finanzielle Rahmenbedingungen, aber auch mangelnde Nutzerfreundlichkeit von behördlichen Online-Services lassen den „Digitalisierungs-Zug“ in deutschen Behörden nur langsam Fahrt aufnehmen.

Das alles weiß auch Bijan Djir-Sarai, seit Mai diesen Jahres u.a. IT-Dezernent des Rhein-Kreises. Deshalb sieht er seinen ersten Digitalisierungsbericht, den er im Kreisausschuss vorstellte, auch als Impulsgeber für eine IT-Offensive im Rhein-Kreis Neuss. Als aktuelle Schwerpunkte nennt er die Optimierung verwaltungsinterner Abläufe (E-Administration) und die Verbesserung der Dienste für Unternehmen und Bürger (E-Services). Eine weitere Säule bildeten Maßnahmen, die zu mehr Offenheit der Verwaltung nach außen führen (Open Government). Dabei spielten die Bereitstellung von offenen Daten (OPEN-DATA) und die Beteiligung der Bürger an Entscheidungsprozessen (E-Democracy) eine zentrale Rolle. „Je digitaler eine Kommune aufgestellt ist, desto attraktiver ist sie für ihre Bürger und Unternehmen. Wer in Digitalisierung investiert, investiert damit auch in eine erfolgreiche Zukunft“, so Djir-Sarai. Denn nur die Kommune werde im Standort-Wettbewerb bestehen, deren Digitalisierungsgrad mit den Anforderungen von Wirtschaft und Bürgern kompatibel sei. Schon jetzt ist die Digitalisierung aus der täglichen Arbeit des Kreises nicht mehr wegzudenken, wie der 11-seitige Bericht mit Beispielen zu bereits realisierten Online-Services, innovativen App-Lösungen, Geo-Portal, neuem Internet-Auftritt oder Social-Media-Einbindung dokumentiert. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Djir-Sarai und der E-Governmentbeauftragte Harald Vieten sind allerdings davon überzeugt, dass die Zukunft digitaler Technologien und Vernetzung noch tiefgreifende Veränderungen in der Verwaltung und in der interkommunalen Zusammenarbeit erfordern. „In einer modernen digital vernetzten Verwaltung führt kein Weg an der Zusammenarbeit mit anderen vorbei. Die hohen Investitionskosten für den digitalen Behördenumbau und der Erwartungsdruck von Wirtschaft und Bürgern werden diesen Prozess vorantreiben“, so Petrauschke, der bereits seit vielen Jahren verstärkte interkommunale Zusammenarbeit fordert.

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