Biogas-Bakterien bekommen neues Futter

Heute ist viel los auf der Biogasanlage an der Walter-Gropius-Straße in Bergheim-Paffendorf. Landwirtschaftliche Fahrzeuge laden über den Tag verteilt insgesamt rund 600 Tonnen Zuckerrüben im Fahrsilo der Anlage ab. Die Zuckerrüben sind Futter für zig Milliarden kleine Bakterien, die im Fermenter unter Abschluss von Licht und Sauerstoff die Pflanzen zersetzt. Dabei entsteht Rohbiogas, welches auf Erdgasqualität aufbereitet und als Biomethan ins Gasnetz eingespeist wird. Die Anlage ist darauf ausgelegt, stündlich bis zu 700 Kubikmeter Biogas zu produzieren. Insgesamt werden jährlich rund 55.000 Tonnen an nachwachsenden Rohstoffen und Wirtschaftsdünger zum Betrieb der Anlage benötigt.

Georg Marien, Substrat Manager Biogas bei innogy, erläutert: „Energie aus der Region für die Region ist unser Credo. Mit dem Anlagenkonzept und der Nutzung von alternativen Energiepflanzen gehen wir neue Wege. Wir setzten auf bewährte Partnerschaften mit der regionalen Landwirtschaft. Zudem treiben wir Innovationen voran und erproben eine neu entwickelte Rotationsmühle.“ Für die Versorgung der Biogasanlage wird ein breitgefächerter Mix aus Rohstoffen der regionalen Landwirtschaft eingesetzt. Hierzu gehören die Nutzung von Ganzpflanzen-, Gras- und Maissilage sowie von Zuckerrüben, Luzerne, Grünroggen und landwirtschaftlichem Wirtschaftsdünger.
Auch neue Energiepflanzen, wie Silphie und Wildblumen, werden in der Anlage erprobt. Josef-Albert Rath, Landwirt und Vorstandsvorsitzender des Maschinenring Neuss-Mönchengladbach/Gillbach e.V. erläutert: „Wir Landwirte aus der Region sind bereit die Energiewende mit voran zu treiben. Mit innogy haben wir einen starken Partner an unserer Seite. Zusammen führen wir die Biogasanlage Bergheim-Paffendorf zum Erfolg. Die Anlage setzt auf einen breitgefächerten Rohstoffmix und wir als regionale Landwirte können auch Rohstoffe liefern, die qualitätsbedingt nicht für Lebensmittel- oder Futterproduktion geeignet sind. Das bringt entscheidende Vorteile für uns als Landwirte. Wir können verschiedene Produkte mit unterschiedlichen Erntezeitpunkten anliefern und sind nicht auf Mais beschränkt. Im Gegenzug können wir den Gärrest als wertvollen Dünger wieder auf die Felder ausbringen. Dies ergibt einen geschlossenen Nährstoffkreislauf.“

Biogasanlage ist Teststandort für neu entwickelte Rotationsmühle An der Biogasanlage in Bergheim-Paffendorf wurde eine neu entwickelte Rotationsmühle der Firma BHS eingebaut. Der sogenannte Biogrinder läuft seit Mitte 2016 im Testbetrieb. Ziel ist es durch die zusätzliche Zerkleinerung der eingesetzten Rohstoffe den Gasertrag zu erhöhen. „Normalerweise sind die Rohstoffe nur grob zerkleinert und kleine Störstoffe wie Steine können an den Zuckerrüben haften. Mit dem Biogrinder werden die Einsatzstoffe nun mit bis zu fünf rotierenden Hämmern noch einmal deutlich feiner zerkleinert“, erklärt Marien. „Denn je zerfaserter die Einsatzstoffe sind, desto besser können sie vergoren werden. Das höht den Biogasertrag.“
Trotzdem sind so intensive Zerkleinerungstechniken eher selten in Biogasanlagen zu finden. Dies liegt zum einen an der Störanfälligkeit dieser Techniken: Die Hämmer nutzen sich ab und müssen regelmäßig gewartet werden. Zum anderen kostet eine zusätzliche Zerkleinerung Energie. „Wir testen hier in der Anlage verschiedene Hämmer und schauen, wie wir den Verschleiß und Energieeinsatz minimieren können. Die ersten Erfahrungen sind positiv. Der Futtereintrag läuft besser und die Zahl der fütterungsbedingten Stillstände konnte deutlich reduziert werden“, so Marien.

Kommentare sind geschlossen.